Eine Legende des deutschen Motorsports / Teil - 1

 

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

 

heute möchte ich Ihnen an dieser Stelle eine lebende Legende vorstellen die in unserem Ort Trollenhagen aufgewachsen ist. Er konnte viele Erfolge im In- und Ausland auch für den Motorsportclub Neubrandenburg in der ehemaligen DDR erringen. Damit brannte sich sein Name in die Köpfe vieler Sportenthusiasten ein und ist noch heute in regionalen Motorsportherzen fest verankert. Vielerlei Gerüchte und Spekulationen rankten sich über seine Persönlichkeit und Familie zur damaligen Zeit 1972, nach seiner Flucht in das kapitalistische Ausland – und das bis hin in unsere heutige Gegenwart hinein. Diese wilden wirren Darstellungen und Spekulationen sollen hier ein für alle Mal korrigiert ihren Abschluss finden. Nach einem Jahr Recherchen und unzähligen Telefonaten erfahren Sie nun, die wahre Geschichte um Jürgen Hehlert und seiner Familie.

Jürgen Gregor Hehlert

1. Speedwaymeister der DDR – 1962 – MC Neubrandenburg

Jürgen Gregor Hehlert wurde am 15.04.1941 in Insterburg / Ostpreußen geboren. Seine Mutter, Maria Johanna Hehlert, war von Beruf Blumenbinderin. Sein Vater, Hans Hehlert, war im Deutschen Reich Luftwaffen-Testpilot in Berlin. Gemeinsam mit der Mutter und seinem älteren Bruder, Peter Hehlert geb. am 27.06.1937, flüchtete die Familie (ohne Vater) zum Ende des 2. Weltkrieg auf einem Panjewagen (Pferd und Holzwagen) vor der Roten Armee im Februar 1945 in Richtung Wesen aus dem damaligen Wohnort Preußenfeld, ca. 20 km östlich gelegen von Schneidemühl in Hinterpommern.

 

Die Reise endete über Luckow (heute im Landkreis Uckermark) nach Böck (heute Buk im Nordwesten Polens) und wieder zurück ins pommersche Luckow im Herbst desselben Jahres als Zwischenstation auf der Suche nach einer neuen Heimat.

 

Als Flüchtlinge kam die Familie Hehlert Anfang April 1946 nach Trollenhagen. Dort wurde sie im alten Gutshaus, dem ortsumgangssprachlichem „Weißen Haus“ untergebracht. Der Vater hatte den 2. Weltkrieg nicht überlebt.

 

Von 1947 bis 1956 besuchte Jürgen Hehlert die im Ort befindliche Schule bei den bekannten Lehrern Adolf und Willi Teidke sowie dem berühmten und legendären Reinhold Limberg als Verfasser des „Bau auf, bau auf!“ FDJ-Liedes aus der DDR. Überliefert ist, daß auch Jürgen Gregor gern den Unterricht gestört hat. Den schulischen Höhepunkt gab es in der fünften Klasse. Hausaufgaben machen? Das gab es für Jürgen nicht! Vielmehr wurde seine spätere Leidenschaft geweckt sich für Technik zu interessieren. Auch zog er es vor, durch klettern in den Bäumen und herumbolzen auf dem Grasplatz seine Freizeit zu verbringen. Das Resultat: Weil ihm der fünfte Schuljahrgang so viel Spaß gemacht hatte, durfte er diesen noch einmal besuchen.

 

Seine KFZ-Lehrausbildung absolvierte Jürgen Hehlert von 1956 bis 1959 in der Autoreparaturwerkstatt von Heinrich Glamann in der Demminer Straße in Neubrandenburg.

 

Begeistert und angeleitet durch seinen Bruder Peter entstand wärend dieser Zeit in Trollenhagen die erste Garagenwerkstatt zum herumschrauben und tüfteln an den ersten Motorrädern und den späteren Speedway-Maschinen. Ersatzteile waren Mangelware. So mußte also mit Geschick beim Tauschen vorgegangen werden. Ab und zu konnten auch Ersatzteile gekauft werden. Was nicht zu bekommen war, wurde in mühseliger Handarbeit nach gebaut. Der Standort der Werkstatt kann heute nur noch vermutet werden zwischen dem schon genannten „Weißen Haus“ und dem angrenzenden Sportplatz in Trollenhagen auf dem ehemaligen Gutsgelände der Familie Grisebach.

 

Nach Beendigung der Lehrausbildung arbeitete Jürgen Hehlert bis 1967 als KFZ-Schlosser im Fuhrpark des damaligen VEB Verbundnetz / Netzbetrieb Neubrandenburg.

 

1963 erfolgte der familiäre Umzug von Trollenhagen nach Neubrandenburg.

 

1964 ging er mit seiner Verlobten Christa Gorsch die Ehe ein. Im selben Jahr wurde Tochter Rommi geboren.

 

1967 erfolgte ein weiterer Wohnungswechsel nach Rostock. Der Grund war, ein Motorsport-Club-Wechsel, bereits 1966, vom MC Neubrandenburg zum MC Dynamo Rostock.

 

Günter-Harder-Stadion, Neubrandenburg, 60er Jahre
Günter-Harder-Stadion, Neubrandenburg, 60er Jahre

 

 

 

 

Jürgen Hehlerts Sportkariere in der DDR:

 

Ab 1960 startete Jürgen Hehlert für den MC Teterow unter der allg. Schirmherrschaft des ADMV (Allgemeiner Deutscher Motorsport Verband) der DDR. Hier bestritt er Rennen im Speedway sowie auf der Gras- und Sandbahn.

v.l.n.r. Jochen Dinse, Jürgen Hehlert, Fotoauszug: Wolfgang Hopf
v.l.n.r. Jochen Dinse, Jürgen Hehlert, Fotoauszug: Wolfgang Hopf

1961 wechselte er zum MC Neubrandenburg. Gras-und Sandbahn waren damit tabu.

1962 wurde zum ersten mal eine Deutsche Speedwaymeisterschaft (so hieß sie damals) in der DDR ausgefahren. Zum stattfindenden Finale in Neubrandendenburg fuhren Jürgen Hehlert, Hans-Jürgen Rieck und andere Sportfreunde in ihrer Freizeit Plakate kleben, um für dieses Rennen zu werben. Am 30. September 1962 sahen dann 9.000 Zuschauer im Günter-Harder-Stadion, wie Jürgen Hehlert die Konkurrenz “zermalmte“. Mit 15 Punkten (Maximum) und den Vorlaufzählern aus Brieske, Meißen und Stralsund wurde er überlegen 1. Speedwaymeister der DDR.

Am 1. Mai 1964 wurde der erste Speedway-Weltmeisterschaft-Vorlauf an Neubrandenburg vergeben. 15.000 Zuschauer begleiteten dieses hochkarätige Spektakel. Die beiden DDR-Asse Jochen Dinse und Jürgen Hehlert mischten kräftig mit und wurden am Ende mit Rang 5 und 6 belohnt.

v.l.n.r. Peter Hehlert, Jürgen Strehlow, Jürgen Hehlert bei der Reparatur einer Eisspeedway-Maschine, Bild: Benno Bartocha
v.l.n.r. Peter Hehlert, Jürgen Strehlow, Jürgen Hehlert bei der Reparatur einer Eisspeedway-Maschine, Bild: Benno Bartocha

1965, 3. Platz der DDR Speedwaymeisterschaft (MC Neubrandenburg)

1966, Jürgen Hehlert wurde zum 2. Mal Speedway DDR-Meister. Zuvor hatte er zum MC Dynamo Rostock gewechselt.

1967, 3. Platz der DDR Einzel-Speedwaymeisterschaft (MC Dynamo Rostock)

1967, Gewinn des WM-Vorlauf-Rennen in Meißen (1. Mal für die DDR)

1968, 3. Platz der DDR Einzel-Speedwaymeisterschaft (MC Dynamo Rostock)

1968, am 30. März, stellte Jürgen Hehlert einen neuen Harder-Stadion-Bahnrekord (gemessen über vier Runden) auf. Dieser wurde ab dem 07. Oktober 1963 in Neubrandenburg eingeführt. Der erste Bahnrekord hielt sich immerhin über fünf Jahre! Die neue Bestmarke von 70,1 Sek. = 69,84 km/h wurde nun in das Protokoll eingetragen.

1968, DDR Speedway-Manschaftsmeister (MC Dynamo Rostock)

1969, DDR Speedway-Manschaftsmeister (MC Dynamo Rostock-Ost)

1970, 2. Platz der DDR Einzel-Speedwaymeisterschaft (MC Dynamo Rostock)

1970, DDR Speedway-Manschaftsmeister (MC Dynamo Rostock-Ost)

1971, 2. Platz der DDR Einzel-Speedwaymeisterschaft (MC Dynamo Rostock)

1971, DDR Speedway-Manschaftsmeister (MC Dynamo Rostock-Ost)

Jürgen Hehlert 1970: Nach seiner Anregung wird mit Hilfe vieler Freiwilliger eine Flutlichtanlage für die Speedwaybahn im Neubrandenburger Günter-Harder-Stadion installiert. Gefundene Scheinwerfereinzelteile, gestapelt im Kofferraum seines Wartburgs, bildeten die Grundlage dieser Unternehmung. Große Unterstützung hat damals der MC Neubrandenburg bei der Weiterführung dieses Vorhaben durch Peter Hehlert als Hauptinitiator und der PGH Heinrich Hertz aus Neubrandenburg erhalten.

 

 

 

Ihr Roland Pöschel aus Trollenhagen