75 Jahre Kindergarten - Trollenhagen

Vom Erntekindergarten zur Kindertagesstätte

ca. 1958 alter Kindergarten
ca. 1958 alter Kindergarten

1934 - 1935 / Mit der Eröffnung des Fliegerhorstes Trollenhagen, kam neuer Schwung in die Gegenden um Neubrandenburg. Man sprach viel über neue Errungenschaften und technischen Fortschritt, auch auf dem sozialen Gebiet. Somit keimte 1935 die Idee, der damaligen Gutsherrin Frau Charlotte Grisebach eine Beaufsichtigungsmöglichkeit mit einer Erzieherin, für Mütter mit Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren zu schaffen. Der Hintergrund dazu: Gaben Mütter ihre Kinder dort ab, konnten sie unbesorgt und in vollem Umfang Feldarbeit im Zeitraum von Juni bis Oktober verrichten. Die Idee eines Erntekindergarten, war geboren. Frau Charlotte Griesebach konnte Geld aus Eigenmitteln aufbringen, sammelte aber auch im Umland Spenden für diese Unternehmung.

1935 / wurde mit dem Bau der aus Holz bestehenden Baracke, ausgestattet mit einem flachem Dach, längs des heutigen Rotdornweg (Stand 2011), begonnen.

1936 / im Juni, es war soweit. Der Erntekindergarten wurde eingeweiht. Die ersten Kinder durften nun gemeinsam mit Tante Charlotte (Nachname unbekannt) als erste Erzieherin ihr neues „Heim“ betreten.

1945 / Flüchtlinge, aus Ost- und Westpreußen stammend, wurden hier ab Oktober untergebracht. Es begann die Aufteilung der zwei Gruppenräume. Im großen Raum lebten insgesamt drei Familien, vier Erwachsene und sieben Kinder. Im kleinen Raum nebenan wohnte eine Frau mit zwei weiteren Kindern. In allen Räumen wurde Stroh ausgebreitet sodass nicht auf dem Fußboden geschlafen werden musste. In der Woche nach Ankunft der Flüchtlinge, wurde mitten im großen Raum, ein Gebilde aus Ziegelsteinen gemauert, obendrauf eine Blechplatte gelegt und fertig war der Kochherd und Ofen. Darüber wurde in einem Durchbruch im Dach ein Rohr als Rauchabzug befestigt.

1946 - 1949 / Kein Kindergartenbetrieb? Wozu er sonst noch benutzt wurde in den Jahren ist derzeit unbekannt. Vermutung: Als Getreidelager?

1949 / Wiedereröffnung am 01. Juli als Erntekindergarten. Wahrscheinlich war die erste Nachkriegserzieherin, Wilma Zirtzow. Sie wurde auf Grund von zu vielen Mängeln am Gebäude und Mobiliar aus ihrer Tätigkeit am 17. Februar 1951 entlassen.

1951 / Herta Olias wurde am 01. Mai als Leiterin und Reinigungskraft bis Anfang 1957 eingesetzt. Danach arbeitete sie weiter als Erzieherin. Sie lebte sogar gemeinsam mit ihrem Sohn Günter bis 1961 im zweiten kleineren Raum unter Gesamtnutzung des vorhandenen Bades und der kleinen Küche in dieser Kindergarten-Holzunterkunft.

ca. 1964 das Planschbecken aus Stein gemauert
ca. 1964 das Planschbecken aus Stein gemauert

1957-1967 / Aus dem Erntekindergarten wurde ein Ganztageskinderkarten. In diesem Zeitraum konnte sich mehr und mehr um die Spielmöglichkeiten der Kinder gekümmert werden. So entstand eine Gartenlaube umrankt von Hopfen als Schattenspielplatz. Ein Boot zur Spielideenbereicherung für die Kinder wurde gebaut. Gern zur Abkühlung im Sommer genutzt wurde das gemauerte Planschbecken vor dem Kindergarten. Es wurde ein Gemüsegarten angelegt um den Kindern die Aussaht, Pflege und Ernte erlebbar zu machen. Und zu guter letzt, konnte ebenfalls in Maurerfeierabendarbeit der noch heute existierende Abstell- und Kohleschuppen mit Hilfe der Eltern errichtet werden.

1966 / Eröffnung einer Kinderkrippe, abgeteilt im Kindergarten. Die ersten Kinderkrippenerzieherin war wahrscheinlich Helga Ahrens. Unter anderem für die Vertretung als Kinderkrippenhelferin und Reinigungskraft war Gerda Borsch zuständig.

1971 / Neue Aufteilung des vorhandenen Kindergartens und der Kinderkrippe. Die neue Leiterein der Kinderkrippe war Frau Gudrun Sump, die ja schon seit 1967 Leiterin des vorangegangenen Kindergartens war. Die Leitung des „alten“ Kindergartens übernahm Frau Ilse Skrzypczak. Sie ist übrigens bis heute (2011) aktiv in der KITA tätig.

1972 / Im Grupperaum gab es eine durchhängende Decke auf Grund eines gebrochenen Deckenbalkens. Durch Anweisung des damaligen Leiter der Staatlichen Bauaufsicht, Herrn Tefke, konnte ein Stützpfeiler gesetzt und der reguläre Kindergartenbetrieb aufrecht erhalten werden. In der darauf folgenden Zeit, wurde mit einem Ziehwagen das Mittagessen in Thermobehältern aus der LPG-Küche geholt. Bei Wind und Wetter begleiteten diesen Truck eine Erzieherin und zwei Kinder.

1984 / 07. Oktober, durch die Entscheidung des Rat des Kreises Neubrandenburg, Abteilung Volksbildung, wurde der Kindergarten durch die Freiwillige Feuerwehr Trollenhagen abgerissen. Die Kinderkrippe blieb jedoch unversehrt. Über die Wintermonate wurde ein neuer Rohbau durch die Firma  VEB (K) Bau aus Friedland erstellt. Die Kinder wurden vorrübergehend in der Bauphase im Gemeindehaus unter gebrach.

1985 / 15. März, der Kindergarten wurde wieder zur Nutzung übergegeben. Der neue Kindergarten hatte eine Schwerkraftheizung erhalten. Die Mittagsversorgung durch die LPG hatte ein Ende. Heike Vorrath wurde als Köchin eingestellt.

Kita 1996
Kita 1996

1990 / Der Kindergarten bekam eine Gasheizung eingebaut. Mit der Wende kamen weitere Neuerungen in die Kita. Der DDR Bildungs- und Erziehungsplan verlor seine Gültigkeit. Um weiter arbeiten zu dürfen, mussten alle Krippen- und Kindergärtnerinnen eine Anschlussqualifikation absolvieren, um den „neuen“ Anforderungen gerecht zu werden.

1991 / Der Arbeitsplatz der Köchin wurde eingespart. Ab September müssen nun die Kindergärtnerinnen die Versorgung der Kinder mit Mittagessen, Getränken und Obst zusätzlich übernehmen. Durch neue Qualifikationen der Kinderkrippen- und Kindergartenerzieherinen konnte jede Mitarbeiterin nun mit allen Kindern arbeiten. Diese Neuerung hatte zur Folge, dass die eigenständische Kinderkrippe aufgelöst wurde. Gegründet wurde nun die Kindertagesstätte (Kita) Trollenhagen. Diese wurde durch die alte neue Leiterein Ingried Strehlow übernommen. Als erste Kindergärtnerin war Ilse Skrzypczak und als erste Kinderkrippenerzieherin Kerstin Lubs tätig.

1995 / Hortkinder werden wieder in der Kita betreut.

2000 / Der Kindergarten wird mit Mitteln der Gemeinde und Fördergeldern aus dem Dorferneuerungsprogramm saniert. Es wurden Arbeitseinsätze mit Eltern organisiert. Zäune wurden gestrichen, neue Spielgeräte aufgestellt. Dazu gehören das Kletterhaus mit Rutsche, das Reck, die Schaukel und die Fußballtore. Ein Rodelberg kam hinzu.

2002 / Die KITA Trollenhagen erhält am 20. September, um 18.30 Uhr, ihren neuen Namen: Kindertagesstätte – „Kinnerstuw“.

2009 / Durch die ortsansässige Malerfirma Holz, wurden die Gruppenräume, sowie der Küchen- und Hortraum renoviert. Neue Möbel wurden eingekauft. Dazu zählten, Schreibtisch, Anbauwand, Kücheneinrichtung mit allen Verkleidungen.

Die Kita – Heute im September 2011
Die Kita – Heute im September 2011

2010 / Ein neuer Verbindungsweg zwischen dem Kita-Hinterausgang und dem alten 50jährigen Lagerschuppen wurde angelegt und gepflastert sowie ebenfalls der Fußboden im alten Lagerschuppen durch eine Elterninitiative.

2011 / 24. März, die Kita erhielt ein neues „Natur-Turngerät“. Zwei Stämme, geschnitten aus einer Esche. Zur Verfügung gestellt vom Land- und Forstwirt Herrn Dr. Emil Ressin.

16. April, großer Arbeitseinsatz gemeinsam mit den Eltern und teilweise Großeltern durchgeführt. Eine Spiellock, zwei Schwingtiere, eine Wippe, eine Wasserspielanlage wurden aufgestellt und ein neuer Gemüsegarten angelegt. Die alte Schaukel bekam einen neuen Platz.

04. Mai, auf Grund von zu hohem Risiko und Gefährdung der Allgemeinheit wurde die alte Linde auf dem Sandspielplatz des Kita-Hofgeländes gefällt.

28. Mai, die Kita bekam 15t neuen Spielsand als Aufschüttung zum Spielen und als Fallschutz.

07. Oktober, in der Kita „Kinnerstuw“ fand das Jubiläumsfest zum 75. Jahrestag statt.

2011 - Resümee / Nach so vielen Jahren Erntekindergarten, Ganztageskindergarten, Kinderkrippe, Kindertagesstätte und Hort, kann man auf eine erfolgreiche Arbeit des gesamten gestandenen Personales im Geiste Charlotte Grisebachs zurück blicken. Trotz vieler Entbehrungen und Notlagen, jedoch immer mit viel Liebe und Engagement im Beruf und uneingeschränkter Aufopferung haben alle 39 Mitarbeiter über diesen langen Zeitraum zum Bestehen und zum Erfolg dieser Kindereinrichtung bei getragen. Man hat es immer verstanden aktuell mit der Zeit zu gehen. Wenn man bedenkt, das es Kinder gegeben hat, die den Erntekindergarten besucht haben und deren Kinder auch in diese Einrichtung gegangen sind und sogar auch schon wieder ihre Kinder in die Kita „Kinnerstuw“ gehen, ist das ein erhabenes Gefühl, Geschichte mit und über Generationen zu schreiben.

 

Ihr Roland Pöschel aus Trollenhagen