Karoline Christiane Louise Rudolphi

 

die Gründerin des ersten privaten Mädchenpensionates in Heidelberg, war eine anerkannte Pädagogin und Schriftstellerin ihrer Zeit. Ihre Forderung nach einer umfassenden Bildung für Mädchen stellte das damalige Erziehungsideal zwar nicht grundsätzlich in Frage, war um 1800 aber zweifellos eine Besonderheit. Caroline Rudolphi beanspruchte das Recht auf wissenschaftliche und künstlerische Bildung auch für Frauen und Mädchen. Darüber hinaus war die Pädagogin als Dichterin hoch geschätzt. Text und Abbildung: © Badische Heimat/Landeskunde online 2011

 


Geboren am 24. August 1753[1] in Magdeburg oder Berlin (?)

Ihr Vater war Präzeptor (lat. praecipere = "lehren, unterrichten") an der Mädchenschule des Waisenhauses in Potsdam, er starb, als Karoline neun Jahre alt war. Während ihr Bruder Ludwig die Lateinschule in Halle besuchen konnte, musste die junge Karoline ab 1763 für sich und ihre Mutter mit der Anfertigung von Handarbeiten und später mit Stundengeben zum Lebensunterhalt beitragen. Rückblickend bezeichnete Karoline C.L. Rudolphi ihre Jugendzeit als »düster und regnicht (regnerisch)«.

Die Autodidaktin begann früh zu dichten. Neben religiösen Jahreszeiten-, Morgen- und Abendliedern verfasste sie auch kleine Fabeln sowie Gelegenheits- und Widmungsgedichte. Als Dichterin wurde sie vom königlich-preußischen Kapellmeister Johann Friedrich Reichardt entdeckt und gefördert. Er vertonte eine Reihe ihrer Gedichte und brachte eine erste Sammlung 1781 heraus. Die Gedichte wurden in verschiedenen Journalen veröffentlicht, z.B. Iris, Deutsches Museum, Der Teutsche Merkur.

 

Nachdem die von ihr gewünschte Heirat nicht zustande kam, verzichtete Karoline C.L. Rudolphi für immer auf eine Ehe.

Von 1778 bis 1783 war sie Erzieherin bei der Familie Georg Christoph von Röpert in Trollenhagen bei Neubrandenburg. Als ihre Karriere als Mädchen-Erzieherin der Töchter der Familie von Röpert 1778 begann, kamen die Töchter des Kaufmanns, Arzt und Apothekers Dr. med. Christian Siemerling (*15.05.1719 bis †26.02.1796) aus Neubrandenburg, Minna und Dorothea, ebenfalls hinzu.

In Anbetracht des häufigen Ehestreits derer von Röpert zieht Karoline C.L. Rudolphi 1783 mit den vier Kindern nach Trittau bei Hamburg, kurz darauf nach Hamm bei Hamburg. 1785 gründete sie ihr erstes Mädchenpensionat. Ihr Bruder Ludwig betätigte sich als männlicher Hauslehrer. Nach seinem Tod war der promovierte Physiker und Astronom Johann Friedrich Benzenberg einige Zeit für den naturwissenschaftlichen Unterricht zuständig.

In wenigen Jahren blühte Caroline Rudolphis Pensionat zu einem weithin bekannten Institut für Mädchenerziehung auf. Sie war mit Elise Reimarus eng befreundet und gehörte zum Kreis um die Familien Sieveking und Reimarus. Ihr Institut wurde ein Treffpunkt von Persönlichkeiten wie Matthias Claudius, Friedrich Gottlieb Klopstock, Friedrich Heinrich Jacobi, Carl Leonhard Reinhold und Jens Immanuel Baggesen.

Abb. Nov. 2017, auf dem Gedenkstein steht: "Hier dichtete Caroline Rudolphi 1779 - 1783"
Abb. Nov. 2017, auf dem Gedenkstein steht: "Hier dichtete Caroline Rudolphi 1779 - 1783"
Abb. Nov. 2017
Abb. Nov. 2017

1803 siedelte sie mit einigen ihrer Schülerinnen in ihr neues Mädchenpensionat nach Heidelberg über. Dort setzte sie ihre erfolgreiche Arbeit als Erzieherin fort und begründete auch hier ein geselliges Zentrum, wo sich mit der Reorganisation der Universität durch Kurfürst Karl Friedrich von Baden so berühmte Persönlichkeiten einfanden, wie Friedrich Creuzer, Achim von Arnim, Clemens Brentano und Friedrich Heinrich Christian Schwarz, mit denen Rudolphi - als »weiblicher Sokrates« hochgeachtet und berühmt - freundschaftlichen Umgang pflegte. In ihrem Gemälde weiblicher Erziehung (2 Bde., Heidelberg 1807) hielt sie ihre pädagogischen Erfahrungen fest und setzte sich mit den pädagogischen Strömungen der Zeit auseinander.

Ein enges Verhältnis unterhielt Karoline C.L. Rudolphi ebenso zur Familie von Johann Heinrich Voß, dem Klassizisten, Homer-Übersetzer und streitbaren Gegenspieler der Romantiker. Seine Frau, Ernestine Voß, gehörte zu ihren Freundinnen, und der jüngste Sohn, Abraham Voß, war für einige Zeit Hauslehrer in ihrem Institut und gab später ihren Schriftlichen Nachlass heraus.

Karoline Christiane Louise Rudolphi verstarb am 15. April 1811 in Heidelberg.

Quellen: Schriftstellerinnen-Lexikon (1823-1825) von Carl Wilhelm Otto August von Schindel, Wikipedia, Freimaurer-Info sowie in Kombination mit eigenen Worten.

 

1753[1] = zur Schreibweise der Vornamen und zum Geburtsjahr vgl. Landeskirchenamt Karlsruhe, Beerdigtenregister der Providenzkirche Heidelberg; vgl. Perrey (2010), S. 9ff.; andere Angaben geben als Geburtsjahr 1754 an, so Ursula Löhler-Lutterbeck, Monika Siedentopf, Lexikon der 1000 Frauen, Verlag J.H.W. Dietz Nachf. GmbH Bonn 2000, ISBN 3-8012-0276-3, Seite 302


Aphorismus zum Thema: Erziehung

Geduldiges Erwarten geziemt dem Erzieher wie dem Gärtner.


Gedicht zum Thema: Leben

Die Gegenwart

Kurz, ach kurz ist diese Spanne Leben!
Und – wie's unsichtbare Hände weben,
Bleibt's, o Sterblicher! gewebt.
Nichts ist, das den kalten Boten ferne;
Eilend kommt und löscht er die Laterne:
Wer gelebt hat, hat gelebt. –

Leere denn des Lebens vollen Becher
Still und fröhlich, eh' das Lämpchen schwächer,
Dem Verlöschen näher scheint.
O genieß, genieß, was dir beschieden;
Gönne deinem armen Herzen Frieden:
Sey, o Mensch! dein eigner Freund.

Laßt uns froh das Heute heute nützen,
Nur genießen heißt wahrhaft besitzen;
Wer nur sehnend vorwärts strebt,
Immer aus der Zukunft Füllhorn naschet,
Wer die Gegenwart nicht eilend haschet,
Hat geträumt, hat nicht gelebt.

Leb', o lebe; denn mit raschem Schritte
Eilt der Bote vom Palast zur Hütte,
Löscht, wie's kommt, die Fackel, strebt
Jeglichen Moment nach neuer Beute:
Willst du leben, thu es heute, heute!
Wer gelebt hat, hat gelebt.