Unsere Kirche

Fast jedes Dorf allgemein ist im Besitz einer Kirche. Und diese steht auch meistens Mittendrinn! So ist es auch bei uns, wie Ihr sehen könnt.

Bildausschnitt einer Ansichtskarte um 1910, Kirchenansicht von 1902 bis 1934/39
Bildausschnitt einer Ansichtskarte um 1910, Kirchenansicht von 1902 bis 1934/39

Das ehemals turmlose Kirchengebäude zu Trollenhagen stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und ist ein rechteckiger Feldsteinbau mit Verzierungen aus Backstein über Rechteck von 8,50 m x 17,20 m Innenmaß, 1,38 m Mauerstärke, 6 m bis Gesims im Innern hoch (9 m bis zum Scheitel der barocken Tonne(1)). Die Längsrichtung der Kirche weicht um etwa 4° nach Süden ab.

1702 erfolgte unter dem Schlosshauptmann von Jasmund ein barocker durchgreifender Umbau. Es wurde ein Mansardendach(2) aufgesetzt, mit Holztonnengewölbe im Innern, der Ostgiebel entsprechend verändert, Fenster und Südportal barock verändert, ein Fachwerkturm vorgebaut. Die innere Einrichtung und Wetterfahne wurde 1712 und die Glocke 1714 neu geschaffen.

Der Haupteingang der Kirche befand sich vor 1902 auf der Südseite. Der befindliche Vorbau ist leider damals wegen Baufälligkeit abgerissen und dessen Eingang vermauert worden. Jetzt muss man durch den Turm gehen um in die Kirche zu gelangen. Umgeben ist der Kirchhof mit einer Steinmauer, die zur Dorfseite hin im Jahre 1902 ebenfalls erneuert wurde.

Nach dem 1942 letzten Turm- und Dachumbau der Kirche sind im Laufe der Zeit viele Schäden durch jahrelange Vernachlässigung in der DDR-Zeit entstanden. Das Dach war undicht, die Dachkonstruktion wies starke Schäden im Traufbereich auf und die Außenwände hatten klaffende Risse.

Riss im Mauerwerk, Bild © Gefährdete Kirchen in Mecklenburg, Helms 1998
Riss im Mauerwerk, Bild © Gefährdete Kirchen in Mecklenburg, Helms 1998

Im Bereich des Anschlusses an dem Turm war das Dach eingestürzt. Im Januar 1997 konnte dieser Schaden mit Hilfe des Vereins "Dorfkirchen In Not" notdürftig repariert werden.

Eine planmäßige Instandsetzung der Kirche begann 1999 mit der Reparatur der Dachkonstruktion und mit der neuen Dachdeckung aus historischen und neuen Biberschwanzziegeln. Im Jahre 2000 wurde das Mauerwerk und die Decke saniert und 2001 konnten bereits Innenraumarbeiten, wie die Putzinstandsetzung, die Reparatur des Fußbodens, die Sicherung der Wandmalereien und die Freilegung der unter der Schicht der Kalkleimfarbe versteckten barocken Fassungen der Ausstattung ausgeführt werden. Diese Maßnahmen wurden mit Hilfe der Bundes- und Landesfördermittel sowie der Mittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz finanziert. Großzügige Spenden der Dorfeinwohner trugen zur Vollendung der Restaurierung bei.

Die Einweihung der restaurierten Kirche in Trollenhagen fand am 09. Dezember 2001 statt. Damit ist sie zur Nutzung freigegeben worden. Weitere Schäden konnten bis 2004 mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz behoben werden.

Hinweis: Ausführungen von Frau Ewa Prync-Pommerencke Hauptkonservatorin sind in diesen Text mit eingeflossen.

(1) Tonne = Ein Gewölbe hat zwei gleich lange parallele Widerlage, unabhängig von der Wölblinie.

(2) Mansardendach = Bei dieser Dachform sind die Dachflächen im unteren Bereich abgeknickt, so dass die untere Dachfläche über eine wesentlich steilere Neigung verfügt als die obere. Auf diese Weise entsteht zusätzlicher Raum für eine oder mehrere Mansarden.


 

Das Kirchengebäude um 1960

Bild, private Aufnahme
Bild, private Aufnahme

Sommeranfang 2016


Nebel und Reif im Winter 2017


Winter 2017


Frühling 2017


Der Standort zur Gutsbesitzerzeit

 

Die Dorfkirche stand früher in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Gutspark, da der Kirchhof direkt an diesen grenzte. Eine Besonderheit dieser Parkanlage war, unter Einbezug des verzweigten Wegesysthems, die Hinführung zur Kirche. Ursprünglich war der Kirchhof in die Einfassung der Gutsanlage mit einbezogen. Sein heutiger Eingang mit zwei Backsteinpfeilern und eingearbeiteten Kreuzen wurde wahrscheinlich 1902 von Otto Siemerling erbaut.

 


Detailausführungen

Die Technik:

des mittelalterlichen Baues verwendet die Findlinge mit ihren glatten, natürlichen Gletscherschliffwänden in der Ansicht, eine Fugenbemalung ist nirgends festzustellen, planmäßig sind rote Backsteine (26,5 x 13 x 9 cm) verwendet zu den Gebäudeecken, Portalen (auch wohl Fenstern, die nicht alt erhalten sind) und Ostgiebeldreieck mit Blendnischenarchitektur(3). Eingänge befinden sich an West- und Südseite, ersterer vierfach in Backstein abgetreppt mit spitzen, oben geradlinigen Spitzbogen, letzterer barock verändert und heute zugemauert, daneben eine Tür zum oberen Chor. An der Nordseite eine zugemauerte Tür zur Gruft. Fenster in barocker Form befinden sich an jeder Langseite zwei, an der Ostseite eins an alter Stelle.

(3) Blendnische = Die Blende (blenden „blind machen“ und verblenden „verkleiden“) ist im Bauwesen ein Bauelement, das vornehmlich der Mauerverkleidung dient und den Elementen der Scheinarchitektur zuzuordnen ist. Weitere Formen der Blende sind die Blendsäule und der Pilaster, die auf eine Fassade appliziert sind. Der Blendbogen, täuscht eine Öffnung vor. Eine Aneinanderreihung solcher Bögen wird als Blendarkade bezeichnet. Innerhalb der Bögen vorhandene, flach Wand- oder Mauernische nennt man Blendnischen.

 

Das Ostgiebeldreieck:

durch das Mansardendach leicht verändert, zeigt in seiner reichen gotischen Blendnischenarchitektur schon die Neigung der beginnenden Spätgotik, ohne Betonung des einzeln vierteiligen bzw. zweiteiligen Maßweks(4) wie am Ostgiebel zu Neddemin, hier die Fläche möglichst gleichmäßig zu überspinnen. Alle Nischen mit Ausnahme der beiden äußeren sind zweifach abgetreppt, über dem mittleren Paar ein auf den Bogenspitzen ansetzender Dreiviertelkreis, in den Zwickeln schmiegt sich von der Spitze der nächst kleineren Blendnische ein Kreis an das mittlere Paar an.

(4) Maßwerk = Bezeichnung in der Architektur als filigrane Arbeit von Steinmetzen in Form von flächigen Gestaltungen von Fenstern, Balustraden, und geöffneten Wänden. Das Maßwerk besteht aus geometrischen Mustern, die als Steinprofile umgesetzt werden, wobei der Stein komplett durchbrochen (skelettiert) wird.

Das Mansardendach:

dass im unteren Teil durch die hochgezogene Tonne ausgeführt ist, benutzt in seinem oberen Satteldach den mittelalterlichen Gedanken der parallelen Untersparren, welche in das Unterdach hinabreicht und eine Hängesäle tragen.

 

Der Glockenturm:

ist 1902 in Backsteinrohbau auf Felsenquadergeschoß gotisierend vorgebaut und trägt eine Nachbildung der früheren barocken Turmhaube. Die untere glockenförmige Haube ist aus dem Viereck zu einer achteckigen, schlanken Laterne überführt, welche auf einer glockenförmigen, achtseitigen Haube über Zwischengesims eine Pyramide mit Kugel, Wetterfahne und Stern trägt.

Nach mir mündlichen Überlieferungen einheimischer Bürger wurde in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre die Turmhaube im unteren Drittel in jeweiliger Himmelsrichtung durchbrochen. Im Innern wurden Holzbalken befestigt die mit ihren Enden weit über den Rand hinaus ragten. An den Enden waren Positionslampen angebracht und dienten den Flugzeugen des 1934 in Betrieb genommenen Fliegerhorsts zur Orientierung. 1942 ist der Kirchturm aus militärischen Gründen auf das heutige Aussehen mit einem aufgesetzten Satteldach zurück gebaut worden.

Die Glocke 2011
Die Glocke 2011

Die Glocken:

Im wuchtigen Westturm hingen 2 Bronzeglocken. Die eine hat die Inschrift: „Gelobet sei des Herren Namen von nun an bis in Ewigkeit Ps. 113 • der Kirche zu Trollenhagen • Mich. Begun goss mich 1714 •“. Sie ist noch vorhanden und hat einen Durchmesser von 72 cm.

Auf der zweiten Glocke stand: „ Deo Gloria Soli • Johann Cristian Meier goss mich •“. Georg Christoph von Röpert, Erbherr und Patron der Kirche zu Trollenhagen, hat diese Glocke 1782 umgießen lassen. Diese zweite Glocke fiel im 2. Weltkrieg, nach dem Aufruf von Generalfeldmarschall Hermann Göring am 27. März 1940, als „Spende des deutschen Volkes zum Geburtstag des Führers“ als Buntmetallspende zum Opfer. Sie wurde auf den sogenannten Glockenfriedhof in Hamburg verbracht und dort eingeschmolzen.

Eine dritte Glocke, auf der gestanden haben soll: „Maria helpe mi, dat ik dene di •“, wurde durch den Besitzer von Trollenhagen, Dr. jur. Otto Siemerling, um 1902 verkauft um mit der erhaltenen Summe den Turmneubau zu finanzieren.


Das Innere

hat glatt geputzte, rosa getönte Wände und über einem Gesims eine Segment-Tonne, in Holz geschalt und geputzt. An der Ostwand nordwärts eine spitzbogige Sakramentsnische mit mittelalterlicher Tür und beschlag. Im gemauerten mittelalterlichen Altartisch südwestwärts einen kleine Nische mit Tür.

 

Das Gemeinde-Kastengestühl:

hat an den Wangen große Palmetten(5), in der Mitte bleibt ein breiter Gang frei.

 

Die Orgelempore(6):

im Westen wird von vier toskanischen Säulen getragen. Die Begrüßung aus derselben Zeit wie die übrige innere Einrichtung ist einfacher gehalten, zwischen Pilastern sind Füllungen in den oberen Ecken abgeschrägt.

Die Orgel:

aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde vermutlich von Robert Walser aus Friedland erbaut. Die 58 Jahre (1945-2003) lang nicht spielbare Orgel in der Dorfkirche ist für rund 37.000 Euro restauriert worden. Bei der Sanierung wurde das Gehäuse aufgearbeitet, die Mechanik erneuert und ein Elektrogebläse eingebaut. Statt vormals drei sind jetzt fünf klingende Stimmen vorhanden. Das Instrument werde am Reformationstag, dem 31. Oktober 2003 im Gottesdienst wieder eingeweiht.

(5) Palmette = (franz. Palmbäumchen) ist eine symmetrische Abstraktion eines Palmenwipfels als Grundform der Ornamentik.

(6) (Orgel)Empore = Eine Empore ist eine erhöhte Galerie oder Tribüne, die mit einer Langseite zu einem größeren Innenraum hin geöffnet ist.

Der Altar:

von 1712 zeigt in dem schlank aufstrebenden, zweigeschossigen Aufbau den Stil Louis XIV., in der äußeren Rankenschnitzerei von einer gewissen handwerksmäßigen Derbheit. Die beiden Geschosse, von denen das obere in verjüngtem Verhältnis gehalten ist, haben jedes Mal zu beiden Seiten eine vorgekröpfte, auf Postament gestellte Säule mit korinthischem Kapitäl(7), dessen Blätter jedoch vereinfacht sind. In den mittleren Füllungen der Rückwand sind unten Abendmahl, oben Kreuzigung in Öl gemalt. Auf dem oberen schweren Gesims bekrönen den Aufbau in der Mitte Sonne mit Gesicht, seitlich Blumenkörbe in Flachschnitzerei. Farben des Altars weiß mit Gold und etwas schwarz. An der Rückseite des Altars nennt sich der Maler: 1712 den 16. July gemalt von J. T. Häbert (J.C. Habert?).

(7) Kapitäl = (Kapitell), auch Knauf oder Kopf genannt, oberster bekrönender Teil einer Stütze oder Säule; spricht sich aus als vermittelndes Glied, das die Last aufnimmt und auf den Stamm überleitet.

 

Die Kanzel:

gleichfalls Anfang des 18. Jahrhunderts. In den Ranken des Deckels schon beginnendes Rokoko. Der Rumpf aus fünf Seiten eines Zehnecks gebildet, an den Ecken verkröpfte(8) Pilaster(9), die Füllungen mit reichen Profielen stark heraus gewölbt und oben polygonal(10) verkröpft.

(8) verkröpft = Eine Verkröpfung (insbesondere in älteren Quellen auch Kröpfung) ist in der Architektur das Herumführen eines waagerechten Gesimses um einen senkrechten Wandvorsprung. Dabei entsteht eine vorspringende Kante, die auch als Kropfkante bezeichnet wird. Senkrechte Wandvorsprünge können in diesem Zusammenhang beispielsweise Säulen, Pfeiler oder Pilaster sein.

(9) Pilaster = (von lateinisch pila ‚Pfeiler‘ ) ist ein Formelement der Architektur.

(10) polygonal = ein Polygon darstellend; vieleckig, mehrkantig

 

Das Herrschafts-Gestühl:

in geschlossener Form mit Decke und Fenstern aus derselben Zeit, der Kanzel verwandt, zeigt das Streben nach reicher dekorativer Wirkung im Stil Louis XIV. Die Wandung reicht besetzt mit vorgekröpften, gedrehten Säulen auf Postament(11) und mit stark ausladenden, krausen, korinthisierenden(12) Kapitälen. In den Füllungen der Brüstung stark herausgewölbte Flächen, von Profilen ähnlich wie bei der Kanzel umzogen. Über dem Gebälk eine Attika(13) mit geschnitzten Vasen und Rankenwerk in den Quadratischen Füllungen, in der Mitte, erhaben geschnitzt, die Wappen Jasmund-Glöde. An den Feldern der Attika nachträglich noch sechs Wappen in Zinkguß. Eine Empore An der Südseite von gleichem Stil, auf gedrehten Doppelsäulen stehend, die Begrüßung ähnlich wie beim Herrschaftsgestühl.

(11) Postament = ein bisweilen recht aufwendig gestalteter Sockel von Säulen oder Statuen.

(12) korinthisierenden = Schmuck, Verzierung.

(13) Attika = (aus griechisch attikos ‚attisch‘) bezeichnet in der Architektur ein über dem Kranzgesims befindliches Halbgeschoss oder eine Abschlusswand zur Verdeckung des Daches.

Tauffünte:

In der Kirche befindet sich eine Granitfünte(14) aus dem 14. Jahrhundert. Sie ist im oberen Teil zylindrisch und wurde mit einer Viertelkreisrundung zu einem schmalen Schaftring eingezogen. Durchmesser 98 cm. Der hölzerne achtteilige aber rundliche Deckel ist mit Resten einer Malerei von 1712 versehen. Jedes Feld hat ein Gesicht. Auf die Spitze des Deckels kann eine Kerze gestellt werden.

(14) Granitfünte = Ein Taufbecken oder Taufstein, in Norddeutschland auch die Fünte (von lat. fons: Quelle, Brunnen) genannt, dient in christlichen Kirchen der Taufe. Da die Taufe die Aufnahme in die christliche Gemeinde bedeutet, befindet es sich häufig im Eingangsbereich einer Kirche.

 

Figuren der Tauffünte-Deckelmalerei von 1712


Kleinkunstwerke

Diese befinden sich, außer der Messing-Schüssel, an einem anderen Ort.

 

1.) Silberner, vergoldeter Kelch auf sechspassigem Fuß, auf den Feldern des Knaufes in blauer  Emaille 1HESVS . Der untere Teil der Kuppe ist mit spätgotischem Rankwerk umlegt. Auf der Patene die Inschrift: Trullen-Hag - Kirch - 1733. Ohne Stempel. H:19,5 cm, D: 11/14,5 cm.

Leider ist dieser seltene Kelch 1945 nach den letzten Wirren des 2. Weltkrieges verloren gegangen.

SW Abbildung von 1929, koloriert 2011

 


2.) Kupferner, vergoldeter Kelch. Ohne Inschrift und Zeichen. H: 23,5 cm, D: 10,5/14,5 cm.

Original, 2011

 


3.) Messing-Schüssel. Ohne Inschrift und Stempel. H: 9 cm, D: 30 cm.

Sie stand, auf einem Hocker platziert, rechts neben dem Ausgang.

Original, 2011

 


4.) Rotseidener Klingelbeutel mit Goldstickerei: S. H. 1691.

Schade, auch bei diesem seltenen Stück nagt der Zahn der Zeit. Der Klingelbeutel weist nach 420 Jahren seines Daseins Verschmutzungen und starke Gebrauchsspuren, gerade auf der Rückseite, auf.

Original, 2011

 


Seite 13
Seite 13

 

5.) Revidierte Kirchenordnung des Herzogtum Mecklenburg. Gedruckt von Stephan Müllman in Rostock im Jahr 1602.

      Maße: H= 19,0 cm, B= 15,0 cm, D= 5,0 cm

        Original, 2011

 

 

Ansichten


Die Pastoren der Kirchengemeinde Neddemin

Auflistung und Hinweise © Roland Pöschel

Pastor Günter Helmut Gustav Schulz war der letzte Pastor der Kirchengemeinde Neddemin.


Hinweis: Alle Abbildungen (Fotos, Kolorationen und Auflistung) sind © Roland Pöschel

Exponent-Legende ist erstellt worden über die Quelle: Wikipedia /Zeno.org