Das Herrenhaus

 

oder auch Gutshaus - im regionalen Volksmund "Weißes Haus" genannt

Ortslage 1883/86
Ortslage 1883/86

Geschichte

Das ursprüngliche „alte“ Herrenhaus

 

Kein Bild vorhanden
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Reste des alten Herrenhauses schlossen sich an den neuen Saalanbau, der linken Giebelseite zum neuen Herrenhaus, am Ende des 18. Jahrhundert an. Es wird in Verbindung der Errichtung des Ur-Herrenhauses von der Glödenschen Zeit im Zeitraum von 1578-1672 gesprochen. 1674 verkaufte die Witwe Glöden ihren, den letzten Anteil, vom Besitz ihrer Vorfahren an Christof von der Lanken für 2.000 Gulden.

Erhalten geblieben waren vom alten Herrenhaus bis zur Neuzeit hin nur die Keller, einige Ringmauern des Erdgeschosses und am Giebel ein Teil des Obergeschosses. Die Mauern waren früher aus Felsenfüllmauerwerk mit Backsteinverblendung (Format 28 x 13,5 x 7,5 cm) ausgeführt, die Öffnungen hatten Segmentbögen oder scheitrechte Bögen.

Die Keller waren noch bis in die Neueste Zeit des 20. Jahrhunderts hinein teils zugänglich gewesen. Sie wurden erst nach der deutschen Einheit wissenschaftlich untersucht, danach befüllt und somit für immer verschlossen.

Weiterhin war das Basement mit Tonne oder in einem Quadratischen Raum mit böhmischer Kappe überwölbt, versehen mit einem Loch in der Decke. Dieser Keller diente als Gefängnis. An der Wand waren Halseisen zum Anschließen angebracht.

Reste des Urgebäudes sind um 1850 zusammen gebrochen. Die Ruinen wurden teilweise romantisch ausgebaut. Im Anschluss an den Saalbau wurden um 1860 eine kleinere, sechseckige Gartenhalle und ein Gebäudeflügel auf den alten Fundamenten des „Urhauses“ errichtet. Auf der Direktorialkarte von 1758 war das alte Herrenhaus jedoch nicht mehr verzeichnet! Somit konnte davon ausgegangen werden, daß es wohl damals schon unbenutzt oder nicht mehr vorhanden war.

Das neue Herrenhaus

Herrenhaus mit Saalanbau um 1900
Herrenhaus mit Saalanbau um 1900

Es war/ist ein einfacher, zweigeschossiger Fachwerkbau der Neuzeit mit einer Fünf-Zimmer-Flucht unter allseitig abgewalmtem Satteldach. Seine Grundlage stammte von Anfang des 18. Jahrhundert. Die Vermutung liegt nahe daß der Erbauer des Herrenhauses Schloßhauptmann Adam Friedrich von Jasmund aus dem Hause Rödlin-Cammin gewesen sein dürfte. Er erwarb 1702 das Gut aus den Händen von Leutnant Friedrich Gottlieb Cossebade. Vielleicht legte aber auch erst 1732 Friedrich Ernst von Voß auf Giewitz die Baugrundlage? Auf der Direktorialkarte von 1758 war es schon an bekannter Stelle vorhanden.

Später verändert, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, hat es eine kleine massive Vorhalle mit den drei Rundbogen erhalten und seinen Außenputz mit gequardertem Erdgeschoß. Das hölzerne Traufgesims ist barock gegliedert mit Hängeplatte und Sima(1) sowie Untergliedern. Das Hauptgebäude ist von weiteren Bauten umschlossen: In der Mitte parallel zur Straße steht das Wohnhaus, dahinter ist der Hof von schmalen kleinen Gebäuden umgeben. Seitlich neben dem Haupthaus liegt der regelmäßige Garten. Die ursprüngliche Hauptzufahrt zum Gutshaus ist auch heute noch erhalten. Sie führt, einst als Allee angelegt, zwischen zwei Teichen hindurch und endete direkt in einem Rondell vor dem Hauptgebäude.

Weitere Informationen erhaltet ihr in der „Historie des Dorfes Trollenhagen“ unter dem Absatz „Neueste Geschichte (20. und 21. Jahrhundert)“.

Der Saalanbau

Saalanbau Ansichtskarte 1935
Saalanbau Ansichtskarte 1935

Der Saalanbau ist am linken Giebel des Herrenhauses Ende des 18. Jahrhundert von Georg Christoph von Röpert im Zopfstil (Frankreich, Louis XVI.) errichtet und als erster Saal des Landes nach metrischem Maß vermessen und vollendet worden. Es ist ein massiver, monumentaler Putzbau mit starken Mauern auf der Grundform eines Rechtecks mit beiderseits angefügter Rundung in Segmentkreisbogen, ganze Länge 15,5 m, Breite 8,50 m, Traufhöhe etwa 6,5 m. Das äußere war flächig und einfach gehalten, außer durch gequaderte Pilaster(2) am Ansatz der Rundung war es nur durch die Fensterachsen gegliedert. Jedes schlanke, sechsflügelige Sprossenfenster mit Segmentbogen hat darüber ein liegendes, ovales Fenster, das stehende Fenster ist durch profilierte Putztaschen stärker betont wie die liegenden ovalen mit ihrer glatten Umrahmung. Das Fenstermotiv wird nach unten durch eine vertiefte Putzfüllung, nach oben durch eine übergesetzte, segmentförmige ausgeschnittene Fläche mit Hängetropfen geschlossen vom Sockel bis zum Gesims, welches auf gleiche Art wie beim Herrenhaus gebildet ist. Das Dach ist allseitig abgewalmt. Das Portal in der Querachse an der Gartenfront ist aus Sandstein. Der äußere Korbbogen der Portalnische ist überdacht von einer Füllung mit Tropfen wie über den ovalen Fenstern, daneben kleine Pilaster mit Konsolen, welche ein horizontales Gesims tragen. Das Fenster darüber ist ein Kreisfenster, weil das Portal niedriger ist.

 

Das Innere des Saales

Herrenhaus-Saal-2. Hälfte 18. Jh.
Herrenhaus-Saal-2. Hälfte 18. Jh.

Das Innere ist in 12 Achteln geteilt, auf denen dreimal im Achsenkreuz Portale, fünfmal Fenster stehen; soweit der Saal an andere Gebäude angebaut ist, sind auf den Achsen zwei Ofennischen und zwei Wandschränke angeordnet. In den Supraporten(3) der drei Portale sind Jupiter, Poseidon, Ares dargestellt. Die ovalen Fenster schneiden in das Deckengesims ein und sind durch eine Putzarchitektur mit dem unteren breiteren Fenster in Verbindung gebracht. Zu dem glatten Deckenspiegel leitet eine große Voute(4) über. Auf den Fensterpfeilern sitzen 12 schlanke Konsolen im Zopfstil, teils in bauchiger, teils in hoher Form.

 

Der Garten

Rekonstruktionsskizze, Ansicht der Gutsanlage im 19.Jh.
Rekonstruktionsskizze, Ansicht der Gutsanlage im 19.Jh.

Mit dem Bau des Hauses Mitte des 18. Jahrhunderts wurde auch der erste Abschnitt des Gartens angelegt. Dabei entstand hinter dem Hauptgebäude ein aus geschnittenen Eiben bestehender Garten. Daran schloss sich ein Buchenhain an, dessen Bestand heute ein Alter von ca. 150 Jahren hat. Ein weiterer Bestandteil des ursprünglichen Gartens war der Nutzgarten am Ende des Grundstückes in Richtung Osten.

Mit den Umbauten und Erweiterungen des Hauses veränderte und vergrößerte sich auch die Anlage des Gartens. Durch den Anbau des Freimaurersaales erfolgte die Erweiterung der Gartenanlage in nördliche Richtung. Noch heute sind anhand der vorhandenen Wege und Blickbeziehungen die Grundzüge einer regelmäßigen Anlage zu erkennen.

Später, in der dritten Phase, erfolgte eine Umgestaltung des Gartens zum Park mit der Anlage eines Obst- und Irrgartens.

Zum Baumbestand gehören unter anderem Linden, Eiben, Spieren, Kastanien, Hainbuchen, Platanen, Akazien, Ahorn, Ilex, Buchsbaum und Hemlocktanne. Als Unterwuchs treten gelbe und weiße Anemonen, Veilchen, Efeu und Flieder auf.

Direkt hinter dem ehemaligen Hauptgebäude sind die Reste des Eibenhains sowie die Regelmäßigkeit dieser Anpflanzung noch gut erkennbar. Die Reste des sich darauf anschließenden Buchenhains sind ebenfalls gut erhalten. Auf dem Gelände, in nördlicher Richtung vom Freimaurersaal ausgehend, finden sich noch Elemente des barocken Gartens und späteren Parks. Dazu gehören die von Hainbuchen und Linden eingefassten Wege, die das Gelände des ehemaligen Barockgartens durchlaufen und die ebenfalls von Bäumen eingefassten Sitzplätze und Aussichtspunkte wie zum Beispiel der „Kussberg“. Eine Lindenreihe umschloss die gesamte Gartenanlage. Obst- und Irrgarten lagen ursprünglich hinter der später angelegten Gärtnerei. Überreste sind nicht erhalten geblieben.

Das Gutshaus und der Kussberg stehen unter Denkmalsschutz. Trotz alledem wurde der Kussberg überbaut mit Eigenheimen nebst dazu gehörigen Privatgrundstücken. An dieses ehemalige Areal mit Blick in die Ferne erinnert nur noch das Straßenkarree "Am Kussberg".

Die Dorfkirche wurde in das verzweigte Wegesystem der Parkanlage mit einbezogen. Eine Besonderheit dieser Anlage ist der relativ große Bestand alter Eiben als Baumgruppe und als Solitäre(5) im Park. Die Dorfkirche aus dem 14. Jahrhundert stand früher in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Gutspark, da der Kirchhof direkt an diese grenzte. Ursprünglich war der Kirchhof in die Einfassung der Gutsanlage mit einbezogen. Sein heutiger Eingang mit zwei Bachsteinpfeilern und eingearbeiteten Kreuzen wurde wahrscheinlich 1902 von Otto Siemerling erbaut.

Die Gutsanlage in Trollenhagen birgt noch einige ungelüftete Geheimnisse, angefangen vom Freimaurersaal bis hin zu den Kellergewölben. Was heute noch als Reste überkommen ist, spricht jedoch von einer beeindruckenden gärtnerischen Gestaltung, die das Dorf mit der Gutsanlage verband.

 

Bedeutung folgender Worte

 

(1) Sima = bezeichnet man den aus gebranntem Ton oder Marmor bestehenden Dachrand in der griechischen und römischen Architektur.

(2) Pilaster = (von lateinisch pila ‚Pfeiler‘) ist ein Formelement der Architektur.

(3) Supraporten = (lat. supra = über, porta = Tor, Tür; auch it. Sopraporte oder frz. Surporte) ist ein über einer Tür oder einem Portal angebrachtes Gemälde oder Relief. Es kann frei hängen oder gestalterisch in den Türrahmen einbezogen sein.

(4) Voute = (frz. voûte „Gewölbe“, „Wölbung“) ist eine dreieckförmige Abschrägung eines Auflagers, die Verbreiterung einer sonst gleichmäßig breiten Stütze unter dem Auflager am Übergang einer Säule oder eines Pfeilers in eine Decke oder eine Wand.

(5) Solitär = bezeichnet man in der Gartenkunst solche Pflanzen, die in einer Bepflanzung optisch dominieren. Sie werden in der Regel einzeln, frei stehend, gepflanzt. Quellen: Wikipedia /Zeno.org