Die Mär der Trolle von Hag

Wie Trollenhagen zu seinem Namen kam

Abbildung: dreamies.de
Abbildung: dreamies.de

 

Vor vielen, vielen und noch mehr vielen Jahren, als die Götter dickes mächtiges Eis aus dem hohen Norden in unsere Welt hinein geschoben hatten, brachten sie nicht nur Kälte und Schnee zu uns. Die einstmals flache Erde war zusammen gedrückt und verschoben und hatte sich zu Hügeln und Bergketten aufgetürmt. Versteckt im Eis waren seltsame Pflanzen und Lebewesen. Die Menschheit aber gab es damals noch nicht.

Alles schlummerte eingefroren, umgeben von Träumen. Bis zu jenem Tag, als Wärme zu ihnen vordrang, um sie zu wecken, um das Leben neu zu beginnen. Die Sonne taute über viele Monde hinweg das Eis auf und die mitgebrachten Pflanzen konnten gedeihen. Nordische Geschöpfe eroberten eine neue Welt.

Unser Gefilde, in dem heute Menschen und Tiere miteinander gemeinsam im Einklang mit der Natur leben, war zu jener Zeit der Platz im neuen Land, dem die Wesen den Namen „Hag“ gaben. In der Menschenzeit, beträchtliche Generationen später, wurde das Land „Hag“, nach dem Roden von Wäldern, in „Hagen“ umbenannt.

Tollensesee-Panorama-Behmshoehe, Foto: Norbert Kaiser
Tollensesee-Panorama-Behmshoehe, Foto: Norbert Kaiser

In den Gründen, wo es bergauf und bergab ging, beschützt und umgeben von tiefstem Wald mit dichtem Buschwerk im Unterholz, lag einst verborgen eine Koboldsiedlung am Rand des großen Sees mit Namen Ollense. Dieser war entstanden aus dem Schmelzwasser der Eiszeit. Sah man nach Süden, war das stille Wasser bis zum Horizont zu sehen. Auch in Richtung Norden bot sich der gleiche Anblick. Jedoch das gegenüberliegende westliche Ufer gab es in erreichbarer Ferne. Dort lebten fröhliche Elfen und weiter hinten lustige Zwerge und Feen, die ebenfalls durch die Eiszeit hierher kamen.

Trollpaar - regenbogenland-zauberwelt.de
Trollpaar - regenbogenland-zauberwelt.de

 

Die Neuankömmlinge diesseits des großen Sees waren ein witziges Volk. Ausgelassen, voller Schelmerei und Streicheslust nannten sie sich Trolle. Sie waren zwar nicht größer als eine Ente, dennoch tollpatschig wie auch von gedrungener Gestalt und lebten unter einer Baumwurzel in der Erde.

Trollriese-bridge-troll.deviantart
Trollriese-bridge-troll.deviantart

In unserem heutigen Ort gab es damals viele Familien von ihnen, die in Eintracht mit ihren viel zu groß geratenen Vettern in friedlicher Nachbarschaft gemeinsam ihr Leben verbrachten. Diesen Riesen, manchmal mit nur einem Auge im Gesicht, auf deren Köpfen Gräser und kleine Bäume wuchsen, oder anderen, die sogar drei Köpfe hatten, war es nach vielen Jahren ihres Daseins um sie herum viel zu hell und warm geworden. Darum verließen sie unser Gebiet und wanderten zurück in ihre alte Heimat, in den meistens dunklen und eisigen Norden. Dort leben sie noch heute.

Karte-Tollense-CC-verändert
Karte-Tollense-CC-verändert

 Sehr viel Zeit verging und das Land „Hag“ erhob sich zu einem mächtigen Hügel, umsäumt von weiteren kleineren Hügelchen. Das kam allerdings nicht daher, dass der Berg wuchs oder die Familien der Trolle sich in die Höhe der Gipfel zurückzogen. Nein. Es kam durch weit entfernte Veränderungen in der Welt. Das Wasser des Sees Ollense wurde immer weniger und weniger. Irgendwann blieb nur noch ein sich schlängelndes Rinnsal in der Nähe unserer Hügelkette übrig. Ein „Urstromtal“ war geboren. Weite Graslandschaften mit torfigem Grund und üppigem Schilfbewuchs säumten nun diesen schmalen, in Richtung Norden gemächlich strömenden Fluss. Dort, wo sich Himmel und Erde trafen, die Sonne mittags am höchsten steht, war bereits das Ufer eines neuen Gewässers zu entdecken. Soweit hatte sich also ein winziger übrig gebliebener Teil des Sees Ollense zurückgezogen.

Von oben herab mussten die Trolle wehmütig dem Dahinschwinden des Wassers aus dem großen See zusehen und waren machtlos diesem Ereignis ausgeliefert. Da die Trolle traurig über solch eine Veränderung waren, hofften sie auf die Güte der alten nordischen Schöpfer. Um ihnen mit Ehrfurcht zu begegnen, um sie wohlwollend zu stimmen, nicht auch noch den neu entstandenen Wasserlauf versiegen zu lassen, vereinten sie den Namen des ehemaligen Sees Ollense mit dem T der Trolle zum göttlichen Flussnamen „Tollense“, an dessen südlichem Ende sich noch heute der „Tollensesee“ befindet.

Feldsteine - ehemalige Trolle
Feldsteine - ehemalige Trolle

Aber auch das half nichts. Die Götter ließen sich nicht erweichen. Im Gegenteil! Sie ließen es zu, dass irgendwann auch Menschen dieses Gebiet besiedeln durften.

Nun waren die verbliebenen kleinen Trolle nicht mehr allein im Lande „Hagen“. So richtig aber gefiel das den findigen Trollen nicht! Sie fingen an, die Menschen zu ärgern, damit sie wieder von hier verschwanden. In der Dämmerung kamen sie hervor und schon begann der Humbug mit immer neuem Unfug. Wurde es Nacht, waren die schlauen Trolle nicht mehr aufzuhalten, unter allen Menschen und ihren Tieren ihr infames Unwesen zu treiben. Bis zum Morgengrauen, denn nur bis dahin durften sie sich zeigen, fand der Schabernack statt und fand dann ein jähes Ende.

Trolle mussten sich vor dem Sonnenlicht in Acht nehmen! Traf sie ungewollt ein Sonnenstrahl, wurden sie in einen Stein verwandelt. Schaut man heute über frisch bearbeitete braune Äcker, dort wo sich zu jener Zeit tiefster Wald befand, treten noch immer viele dieser Steine, Jahr für Jahr, aus dem Boden hervor. Daran erkennt jeder, dass es einmal viele Trolle in unserer Umgebung gegeben hat, die den heutigen Bauern immer noch große Sorgen bereiten.

Aber wehe jenem Troll, der eine gemeine hinterhältige Bösartigkeit begangen hatte, den bestraften die alten Götter unentrinnbar mit einem zweifachen Sonnenstrahl, sodass dieser mit einem lauten Knall zerplatzte!

Dreiköpfiger Troll, Illustration Erik Werenskiold, 1897
Dreiköpfiger Troll, Illustration Erik Werenskiold, 1897

Lange lebten die Trolle und Menschen gemeinsam im traumhaften Land „Hagen“ auf dem Hügel „Hagenberg“ oberhalb des Flusses „Tollense“. Aber die Macht der Menschen mit ihrem Streben nach einem würdigeren Leben in Wohlstand und mit Besitz verdrängte nach und nach die Trolle. Wälder wurden lichter, der Lebensraum der Trolle immer kleiner.

Viele Trolle versuchten, sich zu wehren und spielten den Erdenbewohnern immer wieder übermütige, dann viele gemeine hinterlistige Streiche. Die nordischen unsterblichen Väter wurden beschworen, um den vorrückenden Menschen Einhalt zu gebieten. Aber fleißige, arbeitsame und ideenreiche Menschen standen den Göttern plötzlich näher als die Trolle.

Wegen dieser vermeintlichen Ungerechtigkeit veränderten sich die Trolle zusehends und wurden immer bösartiger. Denn Trolle brauchten nicht zu arbeiten! Sie besaßen ja Gold, Silber und Edelsteine in Hülle und Fülle. Darum lebten sie also unter der Erde, um ihre Schätze zu bewachen! Wenn sie etwas brauchten, kauften sie es sich oder tauschten es ein. Ernährten sich vom Reichtum der Wiesen, des Waldes und des Wassers.

Nun gab es aber listige Trolle denen das Herumspuken bei Nacht nicht mehr ausreichte.

Sie wollten auch noch das Vergnügen in ihren Besitz bringen, am Tag Missetaten begehen zu dürfen. Das sollte den Verlust des Waldes ausgleichen, den ihnen die Menschen geraubt hatten.

Lange hatten die alten Götter dem Flehen der Trolle zugehört, dem Treiben zugesehen und erfüllten ihnen schließlich diesen Wunsch. Jedoch gab es eine Bedingung! Wie die Menschen, sollten von nun an die Trolle nur noch Gutes tun auf Erden, arbeitsam sein, ohne böse Absichten zu hegen. Die durchtriebenen Trolle empfanden das als leichte Aufgabe. Versprachen alles so zu tun, wie man es von ihnen verlangte.

Troll, nerd-wiki
Troll, nerd-wiki

So oft es die im Umgang mit dieser Bürde ungeübten und unerfahrenen Trolle aber auch probierten, hilfsbereit und fleißig zu sein, es gelang ihnen nicht, so zu werden wie die Menschen. Sie unterschieden sich doch zu sehr voneinander. Schon bald fielen sie daher zurück in die Unbeschwertheit ihrer einstigen Welt und taten das was sie am liebsten taten, den Menschen und ihren Tieren zu schaden wo sie nur konnten. Großes Leid verbreitete sich kurz darauf auf dem „Hagenberg“ im Lande „Hagen“. Die Trolle verführten durch Zauberei die Menschen, um sie gefügig zu machen, um sie als Untertanen zu knechten um sich so vor den Allvätern im edelsten Antlitz zu zeigen.

Aber das gefiel den heiligen nordischen Schöpfern nicht! Nun war genug Heuchelei und Schlechtigkeit von den Trollen ausgegangen! Das hatten die lieben, folgsamen Menschen nicht verdient, solch ein Elend zu ertragen! Bessere Zeiten sollten die Welt wieder beherrschen!

Und somit beschlossen die alten Götter, dass die gerissenen Trolle wieder dahin zurückkehren sollten, woher sie einst kamen. Da aber Trolle, wie auch Menschen, nicht alle gleich in ihrer Art waren, gab es für die einen oder die anderen eine Wahl. Jene, die in ihre ursprüngliche nordische Heimat zurückkehren wollten, wiesen den Himmelswesen ihren Weg. Die anderen Verbliebenen auf dem „Hagenberg“ kehrten reumütig und aus Angst vor dem Zorn der Götter zu ihrem alten Dasein zurück, sich nur zwischen Dämmerung und Morgengrauen zu zeigen und sich in die Nacht zurück zu ziehen. Die einen gingen in den hohen Norden, die anderen verkrochen sich unter eine Baumwurzel in der Erde. Die ungehorsamen Trolle mussten fortan am Tag von den Menschen und Tieren ablassen. Sie bewachten, wie schon in früherer Zeit, ihre Reichtümer und dachten sich trotzdem immer wieder neue Späße und Streiche aus. Sie gaben aber die Hoffnung nie auf, irgendwann einmal ihre alten nordischen Götter umzustimmen.

Blick auf Trollenhagen- ©RoP
Blick auf Trollenhagen- ©RoP

Ein altes Menschensprichwort besagte „Übermut tut selten gut!“. Ob aus diesem Grund oder aus Unachtsamkeit oder gar aus Missachtung wurde jeder von ihnen, der es gewagt hatte, sich den Wünschen der Götter zu widersetzen, augenblicklich bestraft. So kam es, dass von den eigensinnigen Trollen in den zurückliegenden eintausend Jahren nur wenige Familien übrig blieben. Es war zu spüren, dass es bald keine Trolle mehr geben würde. Das allein stand in der Gunst jener Wesen, die im Himmel bei den Sternen wohnen.

Um aber nicht in Vergessenheit bei den Menschen zu geraten und um ihren alten nordischen Göttern zu beweisen, dass Trolle freundliche, liebenswerte Geschöpfe sind, versuchten sie es mit einer List, um alle zusammen nachsichtig zu stimmen. Gemeinsam mit den Menschen erbauten sie eine neue Siedlung vor dem „Hagenberg“ im hügeligen Land „Hagen“, umgeben von Wald und Feld mit freiem Blick auf das „Tollensetal“. Die einfallsreichen Trolle gaben, als Zeichen einer ewigen Verbundenheit mit den Menschen, ihren schönen Namen her. Unter strahlend blauem Himmel entstand so eines Tages, zwischen den Städten „Neubrandenburg“ und „Altentreptow“ gelegen, der Ort mit dem Namen „Trollenhagen“.…..und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie dort noch heute.

Aber gebt Acht! Seid vorsichtig! Denn bis zum heutigen Tag ist es immer noch möglich, nachts einem gerissenen Troll zu begegnen oder wenigstens ein Opfer seiner Streiche zu werden. Stolpert man auf einem Weg, hat garantiert ein Troll die Hand, nein, seinen Fuß im Spiel gehabt. So jedenfalls ist es überliefert und auch ich habe es so - selbst erlebt.

Autor: Roland Pöschel im März anno 2018

PS: Am 07.05.2018, bei einer Fotsafari, habe ich mit Erschrecken einen

zu Stein gewordenen Troll aus der Vergangenheit entdeckt!

Aber seht selbst! Unglaublich!


Hier mal eine Kleinigkeit, die zum Thema passt!

Möchtest du den Trailer noch einmal sehen, drücke den runden Pfeil, links unten!


Unser Dorf

Uneinigkeit in der Entstehungsgeschichte

Die Überlieferung von Urkunden bildete ein wertvolles Fundament der Siedlungsgeschichte unserer Region. Aber . . .

16. August 1170 Havelberg

 

Für die Entstehungsgeschichte des Ortes Trollenhagen ist die umstrittene Gründungsurkunde des Klosters Broda vom 16. August 1170 wichtig. Dass es sie gegeben hat, daran gibt es keinen Zweifel. Nur unterscheiden sich Original von weiteren Abschriften. Alles begann so: An diesem Tag, dem 16. August 1170, stiftete Kasimir I. von Pommern aus dem Greifenhaus (*nach 1130 - starb in der Feldschlacht 1182), anlässlich der Weihe des Doms zu Havelberg dem gleichnamigen Bistum, aus Dankbarkeit für die Reichtümer und Ehren, mit denen die Gnade Gottes ihn vor vielen andern Sterblichen überhäuft habe, unter Zustimmung seines älteren Bruders Bogislaw I. (*um 1130-1187), das Kloster Broda versehen mit angrenzenden Ländereien.

Siegel von Herzog Kasimir I. 1170, Nachzeichnung F.A. Vossberg 1854
Siegel von Herzog Kasimir I. 1170, Nachzeichnung F.A. Vossberg 1854

Benannt wurden 33 Güter der Region. Zu den geschenkten Dörfern gehörten: Bruode mit Markt, Krug und allen seinen Zubehörungen = Broda bei Neubrandenburg.

Im Lande Tollense: Woiutin = Weitin / Caminiz = Chemnitz / Wogarzin = Woggersin / Szilubin = Lebbin / Calubye = Kalübbe / Patsutin = Passentin / Wolkcazcin = Wulkenzin / Crukowe = Krukow / Michnin = Rehse / Pacelin = Penzlin / Vilim = Gr. Vielen / Vilim Carstici = Kl.Vielen / Cyrice = Hohenzieritz / Wuzstrowe = Wustrow, mit Burg und Dorf; ferner im Lande der Redarier, d.h. im Lande Raduir: Podulin = Podewall / Tribinowe = Trollenhagen? Oder Ort in der Gegend von Trollenhagen? / Cussowe = Küssow / Wigon = bei Woggersin / Tuardulin =  Warlin? / Dobre und Step = an deren Stelle befindet sich heute die Stadt Neubrandenburg / Rovene = Rowa / Priulbiz = Prillwitz / Nikakowe und Malke = unbekannt, östlich von Prillwitz? / Kamino = Cammin / Lang = unbekannt, bei Carlshof? / Riebike = Riepke / Tsaple = Sabel / Nimyrow = Nemerow / Stargard = heut Stadt, Burg Stargard / Malkow  = unbekannt bei Burg Stargard?.

Wenn man die alten slawischen Ortsnamen liest lassen sich heutige Ortsnamen wiedererkennen.

Geschichtliche Anmerkung zum Prämonstratenserkloster Broda: Gegründet wurde es am 16. August 1170. Nach neuesten Erkenntnissen geht man jedoch davon aus, dass der tatsächliche Baubeginn des Klosters Broda kaum vor 1240 erfolgt sein kann. Hauptaufgabe des Klosters Broda war die Christianisierung der unterworfenen Redarier und gleichzeitig die Grenzsicherung zum benachbarten Mecklenburg.

1551 ging das Kloster mit allen seinen verbliebenen Besitzungen an den Landesherren über. Aus dem Kloster Broda wurde ein herzogliches Amt. Schäden an der Bausubstanz dürften im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) eingetreten sein. 1631 unternahm der kaiserliche General Tilly (1559–1632) von hier aus den ersten, allerdings noch erfolglosen Versuch, Neubrandenburg zu erobern. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde anstelle des alten Amtshauses ein neues Amts– und Gutshaus errichtet. (Zusammengestellt aus Tollense-See.de und Wiki-KlosterBroda) Vorhanden waren weitere Klöster in der Region, das Franziskanerkloster in Neubrandenburg, ein Zisterzienser–Nonnenkloster befand sich in Wanzka und eine Johanniterkomturei bestand in Klein Nemerow.

Jedoch wurde die überlieferte Fassung der Gründungsurkunde in den darauffolgenden Jahrzehnten, als „Fälschung“ von Mönchen, vielleicht sogar direkt in der Kanzlei des Bischofs von Havelberg angefertigt, identifiziert. Allerlei Ungereimtheiten in der Ausführung kamen zu Tage und ließen damit den Schluss auf eine Fälschung zu. Trotzdem ist die Fälschung ein wertvolles Dokument, zur Siedlungsgeschichte unserer Region, geblieben. Schade nur, daß der Nachweis des Ortes Trollenhagen nicht genau beschrieben wurde. Es heißt - herausgelesen, nach meiner Übersetzung, „es wird angenommen“ – und das ist mit Sicherheit schon eine vernichtende Aussage, die nicht zu einer, wenn auch gern zu einer gewollten Stiftungsakzeptanz, hätte führen können.

Somit darf aus diesem Grund dem Ort Trollenhagen nicht das nachweisbare Gründungsjahr 1170, 16. August, zugewiesen werden.

Es bleibt eine (ungeklärte ?) Abweichung der Ersterwähnung des Ortes Trollenhagen von 138 Jahren !

Jedoch die Zeit wird (vielleicht) Gewissheit bringen !


So sah das Dorf 1945 aus der Luft aus

Das leicht gekrümmtes Angerdorf ist noch ziemlich erhalten. Der Anger an den Enden etwas zugespitzt, die Kirche in kreisrundem Kirchhof auf dem Anger, gegenüber eine Wegeinmündung quer zur Längsrichtung der Durchlaufenden Straße. Einige Bauerhöfe sind noch erhalten, mit quadratischem Wohnhaus an der Rückseite des Gehöftes, seitlich eine Scheune mit Querdiele und zwei Anklapps(1) daneben.
Der Gutshof am Nordende des Dorfes in ganzer Wördentiefe(2) nach Westen herausgebaut, regelmäßig von Gebäuden umschlossen, in der Mitte parallel zur Straße das Wohnhaus, dahinter der Hof, mit kleinen, schmalen Gebäuden umzogen. Seitlich daneben ein großer regelmäßiger Garten. 1929 bildet das lanzettförmige(3) Angerdorf die südliche Dorfhälfte, die Nordhälfte wird von dem vergrößerten Gutshof mit Garten eingenommen.

(1) Anklapps = Türen, Tore, überdachte angebaute Freifläche ?, (persönliche Übersetztng – R.P.)
(2) Wördentiefe = Wärden abgeleitet von „Der Werder“ in unserer Region (ist eine topografische Bezeichnung für aus Sumpf trockengelegtes und als Moorbesiedlung urbar gemachtes Land), tiefe – in dessen Richtung / Breite (persönliche Übersetztng – R.P.)
(3) lanzettförmige = lanzenförmig, spitz, schneidig

 


 

Unser Dorf 2017 - © Google Earth


 

Das sind sechs dezeit bekannte Ansichtskarten
des Dorfes Trollenhagen von 1905 bis 1935

(als historische Bilddokumente zu bewerten)

 

um 1905 - Bild links: Herrenhaus, mitte Kirche, rechts Wohnhaus (Inspektorhaus oder Rotes Haus), unten Garten
um 1905 - Bild links: Herrenhaus, mitte Kirche, rechts Wohnhaus (Inspektorhaus oder Rotes Haus), unten Garten
um 1905 - Bild l.o.- Herrenhaus; r.o.- Inspektorhaus, später Schule, Wohnungen und Gemeindehaus; l.u.- Kirche Südseite
um 1905 - Bild l.o.- Herrenhaus; r.o.- Inspektorhaus, später Schule, Wohnungen und Gemeindehaus; l.u.- Kirche Südseite
um 1915 - Bild oben - Dorfansicht; unten Schulhaus, Bild © Regionalmuseum Neubrandenburg
um 1915 - Bild oben - Dorfansicht; unten Schulhaus, Bild © Regionalmuseum Neubrandenburg
um 1915 - Bild oben - Herrenhaus, unten Park; Bild © Helmut Borth
um 1915 - Bild oben - Herrenhaus, unten Park; Bild © Helmut Borth
1933 - Herrenhaus, Bild © Regionalmuseum Neubrandenburg
1933 - Herrenhaus, Bild © Regionalmuseum Neubrandenburg
1935 - Herrenhaus
1935 - Herrenhaus

 

Historie des Dorfes Trollenhagen

Text nach Recherche © Roland Pöschel

 

Mittelalter (6. bis 15. Jahrhundert)

 

Mecklenburg war ursprünglich von germanischen Völkerschaften bewohnt.

 

Im 6. Jahrhundert drangen von Osten slawische Obotriten und Wilzen in das Land ein. Der Name Mecklenburg (Mikelenburg) taucht erstmals in einer Urkunde des Jahres 995 auf. Der Name übertrug sich in der Folgezeit auf ein hier beheimatetes Geschlecht slawischer Fürsten, dann auf das von ihnen beherrschte Gebiet.

 

Als Vasall Heinrichs des Löwen, nahm Pribislaw 1167 den christlichen Glauben an und das Land geriet unter deutsche Lehnsabhängigkeit. Dessen Vater Niklot, gefallen 1160 im Kampf gegen Heinrich d.L. in der Nähe seiner Burg Werle gilt jedoch als Stammvater des bis 1918 regierenden Fürstenhauses Mecklenburg.

 

18. August 1170 (Mecklenburgisches Urkundenbuch 95 /MUB95)

Bei der Wiederherstellung des Havelberger Domstifts, von Herzog Kasimir von Pommern gestiftet‚ (aus Dank für die Reichtümer und Ehren, mit denen die Gnade Gottes ihn vor vielen andern Sterblichen überhäuft habe, unter Beistimmung seines Bruders Bugeslav) wurden das Kloster Broda mit 33 Dörfer ausgestattete.

(Siehe oben: Uneinigkeit in der Entstehungsgeschichte)

 

13. Jahrhundert werden das Adelsgeschlecht derer von Rieben (wendischen Ursprungs) als Lehnsherren, auch das Gebiet um Trollenhagen in deren Verwaltung war, angenommen.

 

1308 wird ein Priester mit selbständiger Pfarre, Heinrich von Hogenhaven genannt, wahrscheinlich war sein Wohnort das heutige Trollenhagen.

 

1309 soll Fürst Heinrich II. dem Gerd Zechlin acht Hufen(4) geschenkt haben. Der Rest verblieb im Besitz der Familie Hohenhavel. Im Übrigen wird das Dorf vom 13. bis 15. Jahrhundert im Besitz der Familie Hogenhaven (Hohenhavel ?) gewesen sein.

 

1322 heißt der Ort Hohenhaufen. Die Witwe Adelheid Zierzow zu Neubrandenburg verlieh der von ihr und ihrem Manne in der dortigen Marienkirche gestifteten Dikarei(5) eine Rente von 20 Mk. aus dem Dorf. Das Patronat über diese Dikarei ging nach ihrem Tode auf das Kloster Wanzka über und wurde 1379 von diesem verkauft.

 

1322 werden als Hofbesitzer genannt: Hinrich Volrat, Henneke Deneste, Johannes de Houe, Lutbert, Hennike Zwerin, Hermann Zelten und Ludekinus.

 

1352 (nach Kühnel) villa Honhauen.

 

1447 der Ort hieß Tronhauen.

 

1458 verkaufte Zabel von Hohenhavel seinen Anteil an den Bürgermeister Glienicke zu Neubrandenburg. In anderer Quelle wird die Schreibweise des Ortes als Hohnhävel beschrieben.

 

1477 hieß Trollenhagen, Tronhaven (= tor Hohenhauven).

 

1496 hieß der Ort, Trullenhagen. Die Schreibweise von Dollenhagen wird erwähnt. Im Dorf saßen die Familien: Spisse, Wolter, Freiberg, Struwe, Lammerstorp, Monstermann, Schulte, Pomeler, Turck, Klyckow, Ihlenvelde, Wolkemann, Grabow, Reinicke, Paris und Simon.

 

1496 war der amtierende Pfarrer für Trollenhagen, Podewall, Küssow und Sponholz Hinricus Wulff.

 

 

Neuzeit (16. bis 19. Jahrhundert)

 

1508 lagen zehn Hufe wüst, zehn Höfe von je zwei Hufen und sechs Kossatenstellen waren belegt. Als neue Namen werden genannt: Rehbach, Bengerstorp, Bülow, Erike, Blydenagel, Boddeker, Engelke und Smyt.

 

1511 verkaufte Klaus von der Lühe zu Strietfeld die ihm nach dem Tode des Heinrich Zechlin verliehene Güter, darunter Besitz in Trollenhagen, an Henning Riebe.

 

1518 wurde Behrend Peckatel mit einem Teil belehnt.

 

1552 taucht der Ortsname Hohen Hauen (vielleicht Pertinenz(6) von Trollenhagen) auf, auch 1552 im dorpe Tronhagen. Ebenfalls wird die Schreibweise von Dollenhagen erwähnt.

 

1587/91 werden als bäuerliche Namen genannt: Zanske, Bruhn, Roloff, Rehberg, Wolter, Franecken, Scherf, Lammersdorf und Mesterknecht.

 

1620 verpfändete Behrend Peckatel zu Gevezien seinen Bauernhof daselbst an Joachim Quilitz zu Friedland. Dieser Bauernhof wurde 1631 und 1634 auch der Anteil des Jürgen Peckatel, an Otto Ihlenfeld verkauft.

 

In der Zwischenzeit: 1578 hatte Achim von Glöden zu Roggenhagen den Anteil der Gebrüder von Wohlde, 1587 den des Hasso von Rieben erworben und kaufte 1592 auch den Besitz derer von Manteuffel.

1633/34 brachten die Glöden durch Austausch in Neddemin auch den Ihlenfeldschen Anteil an sich, so dass Trollenhagen mit Recht ein Glödensches Gut genannt werden konnte.

 

1648 (?) Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren noch fünf Bauernstellen im Dorf. Nach der Reformation war die Pfarre Filial von Neddemin. Zur Kirche gehört Buchhof.

 

1662 überließen die Gläubiger Otto von Glödens Trollenhagen an den fürstl. Hauptmann auf dem Amte Broda Georg Dölschow für 24.000 Gulden(7) – andere Quelle G. Völschow = 12.000 Taler(8), nach ausgebrochenem Konkurse.

 

1674 verkaufte die Witwe Glöden ihren Anteil an Christof von der Lanken für 2.000 Gulden. Des Georg Dölschow Erben wurden die Schwestern Emerentia und Liboria Stoppel, die an den Meckl. Kanzler Christoph und seinen Bruder Joachim Krauthoff aus der bekannten Neubrandenburger Familie verheiratet waren. Liboria war in zweiter Ehe mit dem pommerschen Hofgerichtsrat Christian Friedenreich vermählt. Diese verkauften den Pfandbesitz außer einem Kossatenhof(9), den 1691 Andreas Behm für 100 Gulden erwarb, an den Leutnant Friedrich Gottlieb Cossebade (Kosboth) auf Klausdorf für 16.200 Gulden.

 

1702 erwarb der Schloßhauptmann Adam Friedrich von Jasmund aus dem Hause Rödlin-Cammin Trollenhagen gegen Zahlung des Pfandschillings(10). Durch Austausch gegen Besitz in Neuenkirchen brachte er die von der Lankenschen zwei Bauernhöfe in seinen Besitz.

 

1732 ging Trollenhagen mit dem 1719 hinzugekauften Podewall an seinen Schwiegersohn Friedrich Ernst von Voß auf Giewitz über.

 

1760 verkaufte der Sohn von Friedrich Ernst von Voß auf Giewitz, der Havelberger Dompropst(11) und Geheime Legationsrat(12) Friedrich Christof von Voß, an den Landsyndikus(13) Andreas David von Röpert Trollenhagen.

 

1768 folgte sein Sohn, herzogl. Sachsen-Coburgischer Geheimer Conferenzrath Adolf Friedrich Albert Georg Christoph von Röpert im Besitz. Er war eifriger Freimaurer und erbaute für die Sitzungen der Loge „Adolf zum Ritterringe“ den großen Saal des Herrenhauses. Das Geheimnisvolle dieser Versammlungen gab zu mancherlei Gerüchten Anlaß, zumal von einem früheren Herrenhaus große Kellerein vorhanden waren. 1768 wurden vier Bauernstellen nach Podewall verlegt und eine eingezogen.

 

1781 – Handgemenge der Schäfer: Ratsprotokoll Punkt 38 vom 3. April. Der wortführende Neubrandenburger Bürgermeister, Herr Schroeder, berichtet seinen Ratskollegen von einer Beschwerde des Herrn von Röpert zu Trollenhagen über handfeste Auseinandersetzungen zwischen den Schäfern im Grenzbereich zwischen beiden Gemarkungen. 5. April. Nachdem einige alte erfahrene Bürger ausführlich über den Grenzverlauf befragt wurden, verfaßte der Rat ein entsprechendes Schreiben an Herrn von Röpert. Dieser aber bestritt den bislang unstrittigen Grenzverlauf und stellte Gebietsansprüche an die Stadt, berief sich auf alte Dokumente! Erst nach Monaten Streit endete die Geschichte mit dem Eingeständnis des Herrn von Röpert, er könne seine alten Dokumente nicht finden!

 

1806 verkaufte Georg Christoph von Röpert  das Gut an den Kammerherrn Johann Carl David Zimmermann von Nehringen, musste es aber nach einigen Jahren wieder zurücknehmen, weil die Zahlung Schwierigkeiten machte.

 

1822 wurde Trollenhagen an Carl Jacob Frodien für 96.000 Taler Gold verkauft.

 

1834 wurde der frühere Syndikus(14) von Neubrandenburg und Besitzer von Godenswege, Advokat Wilhelm Koch, für 120.000 Taler Gold Besitzer. Sein gleichnamiger Sohn erhielt 1845 den preußischen Adel von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, welche Ernennung Großherzog Georg von Mecklenburg Strelitz anerkannte und genehmigte.

 

1848 starb Wilhelm Koch und vererbte die Güter seiner Schwester Marie, die mit dem Advokaten Ludolf Siemerling aus Neubrandenburg verheiratet war. Der jetzige Besitzer wohnt hier, hat aber das Gut verpachtet (Pächter: Hoffmann).

Ludolf Siemerling kaufte das Gut dann selbst und machte 1881 die Güter Trollenhagen, Buchhof und Podewall zu einem Familiensideikommiß(15). Im gleichen Jahr starb er. Die Grabsteine der Eheleute und deren Kinder sind heute noch auf dem Kirchhof zu finden (derzeit-2017).

PS: Über den Gutsbesitzer Ludolf Siemerling der tyrannisierend mit List und Gewalt alles daran setzte Macht auszuüben um seine Ziele, die Herrschaft über Trollenhagen nebst Umgebung, durchzusetzen wiederspiegelt sich in Aufzeichnungen des ehemaligen Ortslehrers im Inhalt meines gleichnamigen Buches "Erinnerungen des ritterschaftlichen Lehrers Karl-Wilhelm-Heinrich Mieritz". Darin erfahrt ihr mehr über das historische Leben der Bevölkerung im 19. Jhd. unserer Region.

 

 

Neueste Geschichte (20. und 21. Jahrhundert)

 

1881 - 1914

1881 folgte der Sohn von Ludolf Siemerling, Dr. jur. Otto Siemerling, ein ewig kränkelnder Geizhals, im Besitz von Trollenhagen. 1902 ließ er die Dorfkirche umbauen und erneuerte den Glockenturm prunkvoll. 1914 ereilte ihn der Tod in Heidelberg, wo früher seine Schwiegereltern wohnten, auf einer Reise nach Italien.

 

1915 - 1945

1915 wurde neuer Besitzer von Trollenhagen, der Sohn der Schwester von Otto Siemerling, Dr. jur. Rudolf Grisebach. Er kam bereits im Sommer 1909 nach Trollenhagen und war mit der Aufgabe des Sachwalters betraut. Dieser war  auch 1934(?)  Verhandlungspartner gegenüber dem damaligen Reichsluftfahrtministerium, als es darum ging, einhundertzwanzig Hektar des Gutslandes für den Aufbau des Fliegerhorstes zu verkaufen.

Am 26. April 1945 flohen die Gutsherren, Familie Fides (geb. Blumenbach,06.10.1873-…29.10.1954) & Rudolf Grisebach (04.03.1871-…03.10.1949), Charlotte (03.01.1910-…23.10.1996) & Rolf Grisebach (letzter Gutsbesitzer von Trollenhagen,15.04.1901-…15.02.1971) kurz vor Beendigung des 2. Weltkrieges, am 08. Mai 1945, vor der Sowjetarmee.

 

 

Hinweis:

Die Grabstellen der Familie Grisebach befinden sich auf dem Kirchlichen Friedhof Bokhorst (Schillsdorf, Plön)

Quelle: genealogy.net, Bild ©Köll 2014

1945 - 1992

Die Verwaltung erfolgte nun über die Sowjetische Besatzungsmacht.

Aus dem Gutshaus wurde nach 1945 zuerst eine Flüchtlingsunterkunft. Später gehörte es der LPG. Dann kam eine Gaststätte hinzu. Hauptsächlich wurde der Saalanbau für öffentliche Veranstaltungen, Feste und Tanz genutzt. Wärend des sozialistischen Zeitalters wurde es weiter als Wohnhaus beansprucht. Um 1961 stürzte der Dachstuhl des Haupthauses ein und wurde notdürftig repariert.

 

Bei der 1962 durchgeführten Reparatur erhielt das Haus statt des Walmdaches lediglich Pappe und Wellasbest, dabei wurde auch das gesamte Haus glatt abgeputzt. Die letzte Bewohnerin zog 1992 aus. Zu diesem Zeitpunkt galt das Gutshaus bereits als teilweise einsturzgefährdet.

 

1991 - 2012

1991 Kaufte der Unternehmensberater Reinhard Grisebach (08.11.1938-…25.11.2012) das Haus seiner Kindheit samt Parkanlage von der Gemeinde Trollenhagen zurück. Seine Vorstellungen waren das gesamte Gutshaus zu sanieren. Begonnen wurde jedoch zuerst 1998 mit der Rekonstruktion des “Neubau“ inklusive der Freimaurer-Loge. Hierfür waren Fördermittel des Landes Mecklenburg Vorpommern bewilligt worden. Zwei Wohnungen sollten hier entstehen. Eine davon war als sein Alterssitz vorgesehen. Die Restaurierung des Saals sollte in der Folge kulturell genutzt werden. Im eigentlichen ursprünglichen älteren Herrenhaus waren Wohnungen im Obergeschoß sowie im Untergeschoß ein Softwarehaus oder Architekturbüro geplant. Die Wunschvorstellung von Reinhard Grisebach am Rand der Parkanlage eine Einfamilienhaussiedlung entstehen zu lassen, scheiterte aber an der Zustimmung und Genehmigung der Gemeinde Trollenhagen. Mit dem Erlös war angeblich die weitere Sanierung des Herrenhauses geplant. Leider sind die Arbeiten nach dieser Nichtzustimmung eingestellt worden und ruhen bis heute. Das Herrenhaus befindet sich zugewachsen im Dornröschenschlaf – 2018.

August 1999, Sanierungsarbeiten Bild © Helmut Borth
August 1999, Sanierungsarbeiten Bild © Helmut Borth
August 1999, Sanierungsarbeiten Bild © Helmut Borth
August 1999, Sanierungsarbeiten Bild © Helmut Borth

Ansichtskarte Herrenhaus Trollenhagen 1935
Ansichtskarte Herrenhaus Trollenhagen 1935
Bild © Roland Pöschel Herrenhaus Trollenhagen 2017
Bild © Roland Pöschel Herrenhaus Trollenhagen 2017

 

2012 - 2016

Erbe des Herrenhauses in Trollenhagen wurde, 2012 Wolfgang Neumann aus Münster, der Großneffe von Reinhard Grisebach. Das Herrenhaus selbst zu behalten kam für Wolfgang Neumann nicht infrage, da sein Lebensmittelpunkt in Münster lag. Das alte historische Gemäuer sollte somit verkauft werden unter der Argumentation einer Zwangsversteigerung um einen günstigen Kaufpreis von 1/3 des Marktpreises zu bekommen. Weitere Phantastereien als Verkaufsargumente waren die Errichtung eines Tennisplatzes oder einer Pferdezucht in der Parkanlage, wärend dessen im Herrenhaus Mietswohnungen entstehen sollten. Diese hätten durch die Einnahmen investierte Kauf- und Baukosten zurück gebracht bis hin zur Erzielung von Gewinn auf längere Zeit gesehen. Quelle: NK-Artikel, 27.04.2016 S.17

 

 

2016 - ?

Am 02. Mai 2016 kam es zur Zwangsversteigerung beim Amtsgericht Neubrandenburg. Der Verkehrswert lag bei 155.000 Euro. Für 77.500 Euro plus 10% = 15.500 Euro Sicherheitsleistung wurde es an den einzigen Bieter, dem Arzt Ibrahim Mohamed mit kurdischen Wurzeln aus Berlin im Beisein seines Freundes, Bauunternehmer Abdülkerim Cikan, verkauft. Sein Wunsch war es ein Schloss mit großem Grundstück zu besitzen mit dem Resultat eines Wohn- und Ärztehaus in unserer strukturschwachen Region entstehen zu lassen. Nach eigenen Angaben schwebten ihm weitere fünf bis zehn Schlösser um Neubrandenburg vor die er ebenfalls sein Eigen nennen möchte. Quelle: NK & AK-Artikel , 03.05.2016 S.24 und 10.02.2017 S.17

 

 

Bedeutung der Worte vom Mittelalter bis zur Neuzeit

 

(4) Hufe, Merz. Hufen = Wort für Gemarkungs- und Hofgrößen, von Ort zu Ort unterschiedlich - meistens 30 Morgen (1 Morgen = ¼ Hektar, 1 Hektar = 10.000 m²

(5) Dikarei = Kirchliche Kanzlei, Notariat

(6) Pertinenz = Zubehör im Rechtssinn: Sache oder Recht als rechtlicher Bestandteil einer anderen Sache.

(7) Gulden = Mittelhochdeutsch, guldin (pfenni(n)c/florin) oder Goldmünze – ab dem 16. Jh. vorwiegend als Silbermünze vorhanden. Um 1700 besaß ein Gulden etwa die Kaufkraft, die heute 40–50 Euro entspräche (2011).

(8) Taler = bedeutende europäische Großsilbermünze, die ihren Ursprung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation hatte. (1 >Reichs<Taler = 24 Gute Groschen = 1 ½ Gulden = 90 Kreuzer)

(9) Kossatenhof = Bestehet aus einer Hütte oder einem kleinem Haus mit Garten, dessen Besitzer (Kossat) zur Leistung von Abgaben und zu Handdiensten verpflichtet, aber nur in Ausnahmefällen zur Bebauung eines eigenen Ackers und zur Pferdehaltung berechtigt ist.

(10) Pfandschilling =  durch Pfand gesicherter (Darlehens-) Betrag. Oder Pfandbesitz, besonders verpfändete Zinsen, Erträgnisse von Grundstücken oder Herrschaftsrechten, auch das verpfändete Grundstück selbst.

(11) Dompropst = Der Propst ist der Leiter der äußeren Angelegenheiten eines Dom- oder Stiftskapitels (Stiftspropst, Dompropst).

(12) (Geheimer) Legationsrat = Amtstitel für höhere Beamte, welche einem Gesandten beigegeben sind. Geheime Gesandschaft,  Geheimer Botschaftsrat.

(13) Landsyndikus = hoher landständischer Beamter.

(14) Syndikus = ist ein Rechtsanwalt, der aufgrund eines ständigen Dienst- oder ähnlichen Beschäftigungsverhältnisses seine Arbeitszeit und -kraft einem nichtanwaltlichen Arbeitgeber (z. B. Unternehmen, Verband, Stiftung) zur Verfügung stellt.

(15) Familienfideikommiß