"Digedags"

Originalzeichnung von Hannes Hegen
Originalzeichnung von Hannes Hegen

Mickey Mouse, Fix und Foxi und Superman hießen die Comic-Helden der Bundesrepublik Deutschland. In der ehemaligen DDR waren und sind die Kobolde Dig, Dag und Digedag die Figuren, die so manches Kinder - und Erwachsenenherz erfreuen. Das Pendant zur "westdeutschen Schund- und Schmutzliteratur" erschien erstmals am 23. Dezember 1955 in einer Auflagenhöhe von 150.000 Stück für schlappe 95 Pfennig. Heute sollen noch ca. 10 Exemplare ind Top- bis sehr gutem Zustand existieren!

Die sozialistische Alternative zu den Superhelden der BRD entwickelte sich schnell zum Renner bei den Lesern und zur "Bückware" in den Zeitungsläden. "Mosaik"-Hefte mit den Digedags haben bis heute Kultstatuserreicht. Quelle: Berlin (RPO)

Die Digedags sind die Haupthelden des MOSAIK von Hannes Hegen, drei kleine Kerle voller Witz und Temperament, die sich durch Zeit und Raum bewegen und dabei die unglaublichsten Abenteuer erleben:


Dig: schwarzhaarig, mit Knollennase
Dag: blond und verwegen
Digedag: mit rotem Haarschopf, schlank und größer als seine Gefährten

Unternehmungslustig meistern sie mit Witz und Einfallsreichtum alle Probleme und helfen denen, die ihren Beistand brauchen. Sie sind nicht vollkommen, aber überaus liebenswert. Von 1955 bis 1975 erlebten die Digedags in 223 Heften viele spannende Abenteuer. Heute gibt es die beliebten Hefte auch als Bücher. Quelle/Bild: Tessloff Verlag

Johannes Hegenbarth 2005, Foto: ddp, ddp
Johannes Hegenbarth 2005, Foto: ddp, ddp

Hegen, dessen eigentlicher Name Johannes Hegenbarth ist, wurde am 16. Mai 1925 als Sohn eines Glasfabrikanten in Böhmisch-Kamnitz geboren. Er absolvierte eine Ausbildung an der Glasfachschule in Steinschönau, studierte 1943 an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien und von 1947 bis 1950 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Nach dem Studium war er als freischaffender Zeichner tätig, so für den "Eulenspiegel"-Vorgänger "Frischer Wind".

In den ersten Märztagen des Jahres 1955 war Hegen offenbar zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Im Verlag Neues Leben gab es Pläne, ein Gegenstück zu den West-Comics zu entwickeln. Mit einer prall gefüllten Angebotsmappe erschien Hegen unangemeldet im Verlag, und nach einem kurzen Blick auf die Blätter soll er vom Verlagschef mit den Worten "Sie sind unser Mann!" engagiert worden sein. Das erste "Mosaik von Hannes Hegen" konnte erscheinen. Quelle: Berlin (RPO)

Die ersten Mosaik-Hefte waren Comics mit Sprechblasen. Später ging man dazu über, statt Sprechblasen Textbalken unter die Bilder zu setzen, was dem Comic Prosacharakter gab. Im Grunde beinhaltete das Mosaik seitdem keine Comics mehr, sondern Bildergeschichten. Zurück ging diese Entwicklung insbesondere auf die Zeichner der Hefte und allen voran auf den künstlerischen Leiter Hannes Hegen. Man wollte nicht, dass durch die Sprechblasen die Bilder verdeckt werden. In der letzten, im Orient spielenden Serie kehrte man wieder zu den Sprechblasen zurück, allerdings waren diese nicht mehr abgerundet. Sie standen eckig außerhalb des Bildes, quasi anstelle der wegfallenden Textbalken. Mithin war ungeachtet der Sprechblasen das Bild fast ohne Abdeckung - bis auf eine dünne Verbindung zwischen der Figur und ihrem Text.


Die Hefte erschienen zunächst vierteljährlich, umfassten 32 Seiten und kosteten 95 Pfennige, ab 1957 erschienen die Hefte monatlich mit 24 Seiten zum Preis von 60 Pfennigen. Bis 1960 erschien die Zeitschrift im Verlag Neues Leben, danach wurde sie an den Verlag Junge Welt abgegeben. Hegen kündigte im November 1973 seinen Vertrag mit dem Verlag zum 1. Juli 1975 (Heft 223), wobei ein neuer Vertrag unter der Bedingung möglich gewesen wäre, dass er nur noch sechs Hefte pro Jahr mit 32 Seiten liefern müsste. Der Verlag ging auf dieses Angebot nicht ein, da er einerseits auf den vollen hohen Gewinn, den das Mosaik monatlich erwirtschaftete, zur Quersubventionierung der meisten anderen, sehr verlustreichen Kinder- und Jugendzeitschriften angewiesen war, und andererseits die mit der Mosaik-Produktion beschäftigten Angestellten auch entsprechend auslasten musste. Da die Urheberrechte an den Figuren der Digedags bei Hannes Hegen lagen, musste die Digedag-Serie mit dem Heft 223 eingestellt werden. Während der Arbeit an den letzten Heften der Amerika-Serie und den ersten Heften des Orient-Zyklus wurde parallel ab 1974 zunächst von Lothar Dräger und Wolfgang Altenburger, ab Anfang 1975 dann unter Hinzuziehung des Mosaik-Kollektivs, die neue Abrafaxe-Serie vorbereitet, deren Figuren im Januarheft 1976 die Digedags ablösten. Davor erschienen im zweiten Halbjahr 1975, ermöglicht durch eine lizenzrechtliche Vereinbarung zwischen Hegen und dem Verlag, noch einmal als Nachdruck die Hefte 90 bis 95 in fortgesetzter Nummerierung. Dieser Nachdruck diente unter anderem dem Test des neuen drucktechnischen Verfahrens, bei dem von einer Bogenoffsetmaschine auf eine Rollenoffsetmaschine umgestellt wurde. Aufgrund dieser Umstellung hatten die Abrafaxe-Hefte nur noch einen Umfang von 20 statt bisher 24 Seiten.

In den frühen 1990ern begann der Buchverlag Junge Welt, in Lizenz die Mosaik-Hefte 1 bis 223, von denen die Ausgaben der ersten Jahrgänge unter Sammlern mittlerweile zu hohen Preisen gehandelt werden und kaum noch auf dem Sammlermarkt erhältlich sind, als auflagenlimitierte Reprint-Kassetten nachzudrucken. Parallel wurde die komplette Digedags-Serie in verschiedenen Formaten, hauptsächlich aber in Form von Hardcover-Sammelbänden, teilweise bearbeitet, wiederveröffentlicht. Hierbei knüpfte man an eine Tradition an, die bereits mit der Buchveröffentlichung der Runkel- und Amerika-Serien in den 1960er und 1970er Jahren begonnen hatte. Einzelne Hefte der Weltraum-Serie wurden Ende der 1990er in einem vergrößerten Format herausgebracht. Seit der vollständigen Integration des Buchverlages Junge Welt in den Tessloff Verlag zu Beginn des Jahres 2006 werden die Sammelbände und Reprintmappen von diesem herausgegeben. Seit 2007 ist nunmehr die gesamte Digedags-Serie in Buchform erhältlich, wobei die Erfinder- und Weltraum-Serie nun vollends getrennt wurden (in den Heften wurde immer abwechselnd über beide Serien erzählt).

Mittlerweile werden ältere Originalhefte, insbesondere die der Ritter-Runkelserie vorhergehenden Exemplare ab Nr. 89 abwärts und die sich in guten bis sehr guten Erhaltungszuständen befinden, zu teils extrem hohen Sammlerpreisen gehandelt. So erzielte eines der schätzungsweise nur noch 10 in diesem guten Zustand befindlichen Hefte der Nr. 1 von 1955 beim Online-Auktionshaus Ebay im Jahre 2012 den Enderlös in Höhe von 6.605 Euro. Weiterhin ist ein Erlös bei ebay am 12.06.2016 für das unten abgebilde MOSAIK "TOP"-Heft Nr. 1 in der Höhe von 9.906,10 Euro erzielt worden. Mir ist derzeit kein höherer Betrag als der eben genannte bekannt geworden. Am 18.06.2016 ist ein weiteres sehr gutes MOSAIK-Heft Nr. 1 zu einem Preis von 5.868,54 Euro bei ebay verkauft worden. Dieses Heft hatte nur wenige Qualitätsmängel gegenüber dem verkauften Heft vom 12.06.2016, und doch hat sich daraufhin der Verkaufspreis fast halbiert! Quelle Wikipedia / eigene Angaben

Erster und einziger Versuch die Geschichten der Digedags zusammen mit der Figur "Ritter Runkel von Rübenstein", 1995 vom Studio Filmow Rvsunkuwvch- gefördert von der Filmboard Berlin-Brandenburg GmbH, © OSTFILM , Hoffmann & Loeser 19995, auf 6:16 Minuten Zelluloid zu binden - auch wenn es in Form eines Trickfilms war.

 


 

Digedag-Entwurf  "Musketiere" von Hannes Hegen

Digedag-Entwurf  "Ritter" von Hannes Hegen